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Samstag, 19. November 2011

Dylan Revisited

Am Bob Dylan Konzert vor einem halben Jahr wurde mir erstmals bewusst, dass ich beim Gehen Gleichgewichtsstörungen hatte: Ich steuerte in die eine Richtung und torkelte in die andere Richtung.
Kurz darauf die Diagnose, dass sich in meinem Kleinhirn Metastasen gebildet haben. Anlass, mit dem Schlimmsten zu rechnen. Ob ich mich jemals wieder erholen würde, stand in den Sternen... Mir schien es unvorstellbar für die nahe Zukunft Pläne zu schmieden.
Dann wurde für den November 2011 ein Doppelkonzert mit Bob Dylan und Mark Knopfler in Zürich angekündigt. Mein Liebster kaufte Tickets und meinte trotzig, er würde mich auch im Rollstuhl ins Konzert karren. Denn: Es sei schliesslich so, dass wir seit 2002 Dylans Konzerte besuchen, Krankheit hin oder her.

Am Mittwoch war es dann soweit. In äusserst stabilem Zustand - nicht mit Rollstuhl, aber sicherheitshalber mit meinem Stock ausgerüstet - kam ich in den Genuss eines eindrücklichen Auftritts des "Grand Senior" und seiner starken Band.
Nach der Hälfte des Sets konnte uns nichts mehr auf unseren Sitzplätzen halten. Mit vielen anderen stürmten wir von den hinteren Rängen nach vorne, um möglichst nahe am Geschehen zu sein. Es hat sich gelohnt!

Jetzt heisst es wieder einmal für mich:
Auf bald hoffentlich, bis die "Never Ending Tour" wiederkehrt!


Die "Never Ending Tour" 2011 in Zürich (siehe auch blog's: "Bobster" vom 19. April 2009, "Bobster 2010" vom 20. Juni 2010, "Schwindelerregend" vom 2. Juli 2011)






Samstag, 2. Juli 2011

Schwindelerregend

Als wir am späten Samstagnachmittag im Hotel Hyatt Regency in Mainz einchecken wollen, ist unser Zimmer leider noch nicht bezugsbereit! Bei einem Getränk auf Kosten des Hauses machen wir es uns in der Lounge gemütlich und warten.
Plötzlich fährt ein schwarzer Bus mit der silbergrauen Beschriftung BEAT THE STREET vor den Eingang des Hotels. Bei der Rezeption macht sich eine erhöhte Geschäftigkeit breit...
Könnte es sich um einen Tourbus von Bob Dylan und seiner Entourage handeln? Einen Blick auf Bob würde uns über den verspäteten Zimmerbezug in der Edelherberge hinwegtrösten...

Nach 40 Minuten beziehen wir dann endlich unser Zimmer "mit Sicht auf den Rhein". Der wartende Bus steht noch immer vor dem Hoteleingang, direkt unter unserem Fenster. Während wir nun geduldig auf unser Handgepäck warten, beobachten wir, wie die Hotelboys mit grossen Handwagen Kofferberge zum Bus karren. Dann werden alle Lucken geschlossen und der Bus rollt davon.
Nun findet schliesslich auch unser Gepäck den Weg ins Zimmer.

Eine Stunde vor Konzertbeginn warten wir zusammen mit vielen anderen BesucherInnen eng aneinanderstehend auf den Auftritt des alten Herrn und seiner Band. Schmerztabletten hatte ich bereits im Vorfeld eingenommen.
An meinen Liebsten gelehnt und oft auf Zehenspitzen stehend erlebe ich einen entspannten und gut gelaunten Bob Dylan. Mit seiner Band spielt er sich während zweier Stunden durch Stücke aus den verschiedensten Werkepochen.
Und mit einer sehr schrägen und ganz tollen Version von "Blowing in the Wind" entlässt er uns in die Dämmerung. Seine Band stellt er diesmal nicht vor, dafür verneigen sich am Schluss alle brav vor dem Publikum und Bob lüftet kurz seinen schwarzen Hut.
Dann stolpere ich am Arm meines Mannes - leicht schwindlig - über die Wiese. Vor unseren Augen rollt ein schwarzer BEAT THE STREET-Tourbus mit abgedunkelten Scheiben langsam vom Konzertgelände!
Also doch...

Ist B.D. nun drin oder nicht!? Mainz 2011






Samstag, 20. November 2010

Strahlen 1

Am Abend vor meiner Chemotherapie entspanne ich mich zusammen mit meinem Liebsten an einem Konzert von Scout Niblett im Clubraum der Roten Fabrik. Ihre Songs sind minimal instrumentiert: Scout begleitet sich mit zarten bis schroffen Riffen auf ihrer Gitarre, manchmal untermalt von den kräftigen Beats des Schlagzeugers Daniel Sigmund Henry Wilson. Eine laute Stratocaster unter Strom. Eine sympathische, zu Beginn des Konzertes äusserst konzentrierte und zurückhaltende Persönlichkeit, die sich im Verlauf des Konzertes immer mehr öffnet und auch ihre witzigen Seiten zeigt. Am Ende ist die Scheuheit ganz verflogen, die zwei Weingläser, die sie zu Beginn auf ihrem Gitarrenkoffer platziert hatte, sind leer und es kommt zu kleinen Interventionen zwischen ihr und dem Publikum. Ein Song beeindruckt mich sehr. Scout trägt ihn am Schlagzeug vor, das sie voller Energie bearbeitet: We're all gonna die but we don't know when and where. So einfach ist es. Thanks, Scout!

Shining Scout Niblett
, Zürich 2010






Samstag, 23. Oktober 2010

On The Pink Road

Kaum auf dem JFKennedy gelandet, wird mir klar, dass hier während des Pink Ribbon Monats Oktober dem Krebs nur schwer zu entfliehen ist!
Ich bin mehr als beeindruckt: Kaum ein Plakat, ein Alltagsartikel ohne Hinweis und Spende für "The National Breast Cancer Research Foundation". Ein pinkfarbener Müllwagen bekundet seine Solidarität, auf der Windschutzscheibe eines Polizeiwagens klebt eine rosa Schleife, das Danone Yogurth trägt pink. Im Hardwarestore gibt es pinkfarbene badges, pinkfarbenes duct tape, Geschenkbänder mit rosa Schleife und anderer rosa Krimskrams zu kaufen... Think pink, make pink money!






Eine Invasion von rosa Schleifen! Unverhofft entdecke ich während eines Streifzugs durchs Lower East Side ein Plakat in schwarzweiss. Es wirbt für eine Fotoausstellung zum Thema Brustkrebs und zeigt provokativ eine hochschwangere Frau mit beidseitiger Brustamputation, die uns selbstbewusst entgegenblickt. Unter dem Bild: Breast Cancer Is not a Pink Ribbon! Ja, das gefällt mir.






Wir tauchen in die Stadt, die niemals schläft.

Bereits an einem der ersten Tage in NYC absolviere ich ein Lauftraining am Hudson River. Ein Erlebnis, dass mich berührt und zugleich beflügelt!






Nachdem wir uns bei Sonnenschein und Wind auf den Spuren der Beatniks durch Soho bewegten, erkälte ich mich fürchterlich. Mein Liebster hatte sich bereits vor Beginn unserer Reise erkältet. So bin ich jetzt an der Reihe.
Das fehlte uns noch, wir beide krank in New York! Es macht den Eindruck, als wolle mir meine Krankheit, als Spielverderberin, meine Grenzen aufzeigen! Dabei hatte ich sie doch zu Hause gelassen...

So schnell sollte mir dieser Schnupfen mit hartnäckigem Husten die Zeit in New York nicht vergraulen. An den folgenden Tagen finden wir uns immer wieder in einer der zahlreichen Pharmacies, wo wir uns vom grandiosen Medikamentenangebot, bei dem man zum Pillenjunkie werden könnte, die nötige Hilfe erhoffen...






Wir ziehen weiterhin durch die Stadt und lassen uns immer wieder überraschen.






Das XL-Angebot von biologischem Food beeindruckt. In Pipilotti Rists Ausstellung "Heroes of Birth" ziehen unsere Augen gemeinsam mit einer Gruppe von Schafen über das satte Grün. Mit unserem Freund D.W.K. haben wir das Vergnügen an einer Benefizveranstaltung die liebenswerte Patti Smith live zu erleben, sowie den unermüdlichen 91 jährigen Pete Seeger mit Guy Davies!
Eine ungeplante Fahrt in einem Polizeiauto durch New Yorks Strassen wird uns als kurioses Erlebnis in Erinnerung bleiben...






Sonntag, 11. Juli 2010

Patti Smith

Ich sammle "kleine" kostbare Perlen, die ich liebevoll zu meinem Leben aneinanderreihe.
Das Patti Smith Sommerkonzert am See in der Roten Fabrik formte sich zu einer solchen.

Patti Smith hat sich ihre Intensität und Glaubwürdigkeit auch noch mit 63 Jahren bewahren können. Das ist eine Leistung, die mich an diesem Abend sehr beeindruckt hat. Die singende Poetin vermag immer noch das Publikum zu begeistern. Gemeinsam mit ihrer Band rockt sie mit uns durch den Sommerabend: zerbrechlich, nachdenklich, euphorisch, intensiv. Dazwischen immer wieder kleine, feine politische, persönliche oder psychedelische Ansagen an das hingerissene Publikum.

Patti Smith glaubt an das Gute im Menschen. Ihre Art und Erscheinung ist sympathisch, ungekünstelt. Ihr Engagement ist ehrlich und spiegelt sich auch in ihrer Arbeit.
"Just a lovely person", wie sich unser kanadischer Freund W. immer wieder über sie äussert: Einfach ein lieber Mensch.
In ihrem neusten Buch "Just Kids" schildert sie zärtlich, offen und mit feinem Humor die bewegende Geschichte ihrer Freundschaft mit Robert Mapplethrope und das Leben als Künstlerin im New York der frühen siebziger Jahre. Auch hier ist so viel von dieser "lovely person" zu spüren. Ihr Buch hat mich sehr bewegt und meine Erinnerung an ihr Konzert liegt als kostbare Perle in meinen Händen...
 
"Just Kids" 2010 Kiepenheuer & WitschPatti Smith, Zürich 2010






Sonntag, 20. Juni 2010

Bobster 2010

Während der letzten drei Wochen verzichtete ich unfreiwillig auf meine Läufe, doch zeigten sich erste Entzugserscheinungen! Immer wieder ertappte ich mich dabei, wie ich in der Wohnung erste Renn-Versuche unternahm. Sie waren erfolgreich und schmerzlos, was bei den möglichen Distanzen nicht erstaunt...
Doch bevor ich mich endgültig dazu entschliesse, mein gewohntes Training über kleinere Distanzen wieder aufzunehmen, wollte ich mein "muskuläres Problem" (wie sie so schön an der WM sagen) einer standfesten Belastungsprobe unterziehen: beim Konzert von Bob Dylan und seiner Band.

Gegen meine Rückenschmerzen schluckte ich vorsätzlich eine kleine, weisse Schmerztablette. Diese würde im Notfall auch gegen auftretende Hüftschmerzen wirken!
Die Belastungsprobe begann gestern um 18:30 Uhr und endete kurz nach 22:00 Uhr!
Wir standen:
1/2 Stunde vor der Türöffnung im Regen und warteten auf Einlass.
1 1/2 Stunden vor Konzertbeginn vor der Bühne, um unseren optimalen Stehplatz besetzt zu halten.
2 Stunden mit Hunderten von anderen Menschen in der vollbesetzten Messehalle von Dornbirn und verfolgten das Konzert von "Bobster" und seiner Band. Der alte Herr war magisch und für einmal sogar richtig übermütig. Er lächelte viel und schien die Show zu geniessen. Es war ein Highlight!
Überglücklich und zufrieden verliessen wir nach dem Konzert das "Testgelände".

Meine Oberschenkelmuskeln überstanden diese Belastungsprobe äusserst erfolgreich. Ein weiterer Erfolg: Zum dritten Mal seit meinem Schwur von 2007 (siehe blog „Bobster“ vom 19. April 2009) konnte ich gemeinsam mit meinem Mann ein weiteres Konzert dieses rastlosen Musikers erleben.
Einmal mehr beobachtete ich die Fenders, Gretschs, Rickenbackers der Gitarristen und genoss meinen kleinen persönlichen Triumph über den Krebs und meine wiedererlangte Muskelkraft mit jedem Auf- und Abwippen meines Körpers!

"Grand Senior", Dornbirn 2010






Sonntag, 24. Januar 2010

Revisited

Täglich speichern wir Erlebtes in zahlreichen Räumen unseres Hirns ab. Vergessen Geglaubtes lässt sich in unterschiedlichsten Situationen neu abrufen. Während unseres Lebens sammeln wir Erinnerungen. Seitdem ich meine Diagnose erhielt, mache ich mir immer wieder Gedanken zur eigenen Vergänglichkeit. Das Erinnern an mein bisheriges Leben rückt dabei vermehrt ins Zentrum.

Vor meinem inneren Auge spielen sich immer wieder Szenen aus meinem bisherigen Leben ab.
Neulich im KATALOG record Warehouse an der Weinbergstrasse. Beim Durchstöbern des LP Sortiments kam es mir vor, als würde ich einen musikalischen Streifzug durch meine Jugend machen. Da reihte sich Cover an Cover, die in meinem Hirn ein Beben von Erinnerungen an meine Teeniezeit auslösten, glückliche wie unglückliche. Ich liege auf dem Boden meines Teeniezimmers der 70er Jahre, umgeben von zahlreichen Platten. Beatles, Rolling Stones, Bob Dylan, Crosby, Stills, Nash & Young, Melanie...

Drei LP's aus meiner Jugend sind mir bis zum heutigen Tage aus sentimentalen Gründen erhalten geblieben:
"Abbey Road" The Beatles 1969 Meine erste Langspielplatte überhaupt! Mein Vater schenkte mir einen Gutschein des einzigen, hypen Musikgeschäfts vor Ort. Mit Kopfhörern, die aussahen wie Telefonhörer (und die man auch wie Telefonhörer ans Ohr hielt), liess ich mir an der Theke der Musikbar das Neueste vom Neuen abspielen. Mit den Beatles, die gerade den Fussgängerstreifen überqueren, tauchte ich musikalisch in andere Sphären. Da fühlte ich mich beinahe erwachsen...
"Get Year Ya-Ya's Out!" the Rolling Stones in concert 1970*

Ein gutes Jahr später schenkte unser Vater mir und meinem älteren Bruder die LP der rollenden Steine. Zuerst teilten wir uns die Platte wie vorgesehen, später wanderte sie definitiv in meine Plattensammlung. Mit den Rolling Stones tauchte ich in raue Musiksphären ab. Da fühlte ich mich schon ziemlich erwachsen...

Natürlich liess sich mein Vater im hypen Musikgeschäft beraten, denn zum Musikgeschmack seiner Kinder hatte er keinen Zugang. In seiner eigenen bescheidenen Plattensammlung beeindruckte mich aber schon als Sechsjährige ein Cover, das den Broadway bei Nacht zeigte:
"Brodway in Rhythm" Ray Conniff his orchestra and chorus 1958
Blink, blink, Amerika! Das Lichtermeer hinterliess bei mir einen bleibenden Eindruck. Es diente mir während meiner Ausbildung an der Kunstgewerbeschule sogar als Vorlage für einen Textilentwurf. In Erinnerung an meinen Vater ist mir diese LP erhalten geblieben, obwohl ich mich bis heute mit diesem Sound nie anfreunden konnte!

Wenn Sie schon immer Musik liebten, lohnt sich ein Besuch im Oldies-Plattenladen, um durch das "Tal der Erinnerungen" zu wandern. Sie werden sich wundern!

*Erst jetzt fällt mir das spezielle T-Shirt von Charlie Watts auf. Charlie Watts, eine BUSENfreundIn??





Samstag, 8. August 2009

Little Honey

Es geht mir ausgezeichnet und kaum jemand vermutet, dass ich mitten in der Chemotherapie bin, mit hilfreichen Medikamenten versorgt werde und so durchs Leben gehe!
Mit Mass und Ziel: joggend, schwimmend, arbeitend und vor allem den Sommer geniessend. Ich geniesse mein Leben, momentan mit nur wenigen Schmerzen. Am späten Sommernachmittag sitze ich zusammen mit meinem Liebsten (er hat Ferien) im Piazza am Idaplatz. Wir blinzeln in die Sonne. Ich schlürfe einen oder auch zwei Latte Macchiato und er trinkt sein Bier. Unwirklich, beinahe wundersam, diese Augenblicke.

Im Hinterkopf sitzt mir aber die Angst. Davor, dass mir mein guter körperlicher Zustand schneller als mir lieb ist wieder abhanden kommen könnte! Stürmische Gedanken, die sich manchmal aber nicht immer, groofend mit einigen Akorden auf meiner Lovely Ibanez vertreiben lassen. Mein Liebster kennt meine Ängste und ich die seinen. Musik beflügelt uns und so werde ich in dieser Woche mit der CD Little Honey von Lucinda Williams beschenkt. In Erinnerung an den rockigen Liveact von Lucinda, den wir zu Beginn unserer Sommerferien in Luzern besucht haben.


Danke David für die Teeportionen aus Peking.
Lu's spezielle Telecaster bewundere ich immer noch...






Sonntag, 28. Juni 2009

Maybe Not

Als ich am Montag zum Arzttermin in die Maternité gehe, bin ich zwar fieberfrei, aber die Erkältung ist hartnäckig wie am Tag zuvor. Nach dem Gespräch mit meinen ÄrztInnen ist klar: Die Abgabe der wöchentlichen Chemotherapie ist wegen meines geschwächten Zustandes nicht möglich und wird auf den nächsten Montag verschoben.
Erst müsse ich und mein Immunsystem wieder zu Kräften kommen, bevor mir eine weitere Chemotherapie verabreicht werden kann. Das klingt alles sehr vernünftig und einleuchtend. Es stimmt mich aber zugleich traurig, weil ich wegen meines geschwächten Immunsystems meinen sich teilenden Krebszellen das Spielfeld machtlos überlassen muss! Mit einem Medikamentenrezept und dem augenzwinkernden Rat meine „chemofreie“ Woche zu geniessen lassen mich meine ÄrztInnen unverrichteter Dinge aus dem Ambulatorium ziehen.
Die kommenden Tage verbringe ich im Bett. Ich lese, ich sehe mir auf meinem Laptop Musikvideos von Scout Niblett und Cat Power an, welche mich immer wieder sanft in den Schlaf absinken lassen... So verstreicht die Zeit!
Gegen Ende der Woche bin ich wieder soweit bei Kräften, dass ich lustvoll meiner Ibanez in die Saiten greife!
 
#78.2 Scout Niblett Nevada






Sonntag, 19. April 2009

Bobster

Letzten Dienstag war es endlich Zeit für eine langersehnte Perle. „Bob Dylan and his Band!“ in Basel. Nachdem unser Freund Werner uns ein wunderbares japanisches Abendessen zubereitet hatte, besuchten wir alle zusammen das Bobsterkonzert.
In bester Erinnerung blieb mir sein Konzert vor zwei Jahren in Zürich. Damals war ich mitten in der Chemo, aber nichts sollte mich davon abhalten dieses Konzert zu besuchen. Am Nachmittag legte ich mich zu Bett, um meine Kräfte für den Abend zu bündeln. Kurz vor Konzertbesuch nahm ich meine Medikamente, setzte mir meine Neupogenspritze in den Oberschenkel. Das Abenteuer konnte beginnen! Zur Zugabe zog ich meinen erstaunten Mann zum Bühnenrand, wo wir in der Menschenmasse die Musik ganz nah und intensiv miterlebten. An diesem Abend beschloss ich, noch viele weitere B.D. Konzerte zu erleben.

Nun sitzen wir auf unseren Spitzenplätzen in der ersten Reihe. Als die Musiker ihre Plätze auf der Bühne beziehen, hält uns nichts mehr auf unserer Poleposition. Wir stürmen zur Bühnenabschrankung mit freier Sicht auf Bob Dylan und seine Band. So nahe dran waren wir noch nie! Was für eine Atmosphäre! Ich bin immer in Bewegung, wippe und rocke mit. Bobster an der E-Orgel mit Mundharmonikaeinlagen. Seine Stimme mutiert zu einem zusätzlichen Musikinstrument, welches mal eckig, kantig, brüchig und immer wieder überraschend anders klingt. Hin und wieder huscht da und dort ein Lächeln über die Gesichter. Die Musiker haben Spass! Ein bisschen neidisch beobachte ich zwischendurch die Fenders, Gretschs, Rickenbackers der Gitarristen!
Zwei Stunden und eine Schmerztablette später klingt die Musik noch immer in meinen Knochen...
Auf bald, bis die Never Ending Tour wiederkehrt!