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Sonntag, 22. Januar 2012

Höhere Macht

Mein hängendes Kissen, das ich gerne als "Sinnbild für mein Leben" bezeichne, ist nicht mehr!
Es hat mehr als 2 1/2 Jahre in luftiger Höhe Wind und Wetter getrotzt. Nur dem Winterschnitt von Grün Stadt Zürich vermochte es nicht zu trotzen...

Während eines Sonntagsspaziergangs wollte ich "mein Kissen" im neuen Jahr willkommen heissen. Doch bereits von Weitem sah ich, dass die Bäume einem Winterschnitt unterzogen wurden und auch das baumelnde Kissen der Baumschere zum Opfer gefallen ist!
"Mein Kissen" hätte wohl ohne diesen Eingriff noch lange in luftiger Höhe ausgeharrt, bis zu seinem endgültigen Zerfall! Leider hatte das Gartenbauamt, das man sozusagen als schicksalshafte "höhere Macht" bezeichnen könnte, seine Hände mit im Spiel und beförderte das Kissen vorzeitig ins Jenseits!

Es besteht allerdings absolut keine Gefahr, dass ich wegen des verlorenen "Sinnbildes" nun meinen Kopf und auch den Boden unter den Füssen verlieren könnte. Denn wie bereits im blog vom 23. Oktober 2011 erwähnt: Mein Leben kann ich nicht von einem baumelnden Kissen abhängig machen, das wäre einfach nur Mumpitz und Aberglaube...

Trotzdem, mein graues Kissen werde ich bestimmt vermissen!

(siehe blog: 'Spaziergang' vom 23. Oktober 2011)
 siehe blog: 'Was ich sehe wenn ich renne!' vom 20. März 2010
 siehe blog: 'Psychohygiene' vom 01. Februar 2009)

Januar 2012: Das Kissen ist nicht mehr da!







Sonntag, 10. Juli 2011

Kleinhirn in Nöten

Am Donnerstagnachmittag liege ich beweglos mit Gehörschutzstöpseln versehen während einer guten halben Stunde auf einer Liege. Die ohrenbetäubenden klopfenden Geräusche des Magnetresonanztomografen dringen trotzdem in meinen Gehörgang. Meine Hände ruhen auf der Bauchdecke und ich nehme die pochende Bauchschlagader wahr. Mein Herz hämmert aufgeregt im Takt der klopfenden Geräusche...

Am folgenden Morgen klingelt das Telefon. Als ich die Stimme meiner Onkologin Frau St. vernehme, ahne ich nicht Gutes! Kompetent und auf eine gute Art und Weise klärt sie mich über die schlechten Untersuchungsrgebnisse meines Hirn-MRIs vom Donnerstag auf.
In meinem Kleinhirn haben sich nun doch Metastasen gebildet. Einmal mehr kullert mir das Wort Scheisse aus dem Mund! Meine Ärztin meint, jeder weitere Tag ohne therapeutische Gegenmassnahme sei einer zuviel!
Mit meinem Liebsten (er hat sich extra von der Arbeit freigemacht) sitze ich schon am Mittag meinem Careteam aus der Frauenklinik Maternité gegenüber. Wir werden über die Situation genau aufgeklärt. Unsere Fragen werden beantwortet und das weitere Vorgehen wird besprochen.


 
 

Die MRI-Bilder sind mehr als nur beeindruckend. Meine Metastasen sind in allen unterschiedlichen Bilddarstellungen unübersehbar. Sie bringen mein Kleinhirn in Bedrängnis.
Einmal mehr bin ich ein Notfall! Meine Chemotherapie mit Xeloda wird vorübergehend unterbrochen und ich werde neu mit "Vollmondgesicht"-Tabletten versorgt. Sie haben entzündungshemmende Wirkungen gegen unliebsame Nebenwirkungen der Bestrahlung. Meine Kleinhirn-Metastasen werden bereits am späten Nachmittag erstmals bestrahlt.


 
 

Ich bin traurig. Es beschäftigt mich sehr, dass die Metastasen nun auch in meinem Kleinhirn zu wachsen begonnen haben! Das Kleinhirn ist unter anderem für die Feinabstimmung und Koordination von Bewegungsabläufen zuständig. Im Schädel ist nun wirklich kein Platz für unliebsame Krebszellen, die mein Kleinhirn einfach gesagt zusammenquetschen!
Ich hoffe, dass sich die Metastasen nach insgesamt zehn Bestrahlungssitzungen verkrümeln werden. Ich hoffe, dass mein Kleinhirn danach seinen Platz wieder zurückerobert. Erst wenn auf den neuen MRI-Bildern "nichts" mehr zu sehen ist, kann ich mich glücklich schätzen und meine schwindelerregenden Zustände gehören der Vergangenheit an!
Obwohl ich mir im Klaren bin, dass sich die Krebszellen wie Schläfer verhalten und irgendwann wieder aufwachen werden...

Cogito ergo sum — Ich denke also bin ich (noch?) (René Descartes)
Alle Fotos: B.Zgraggen





Sonntag, 22. Mai 2011

Aufpäppeln

Am Montagabend muss ich mich ein erstes Mal übergeben. Ich sinke müde und ausgelaugt ins Bett und hoffe, mein Zustand werde sich bald bessern.
Mitten in der Nacht suche ich die Küche auf um meinen Durst zu löschen. Erneut wird mir schrecklich übel. Ich torkle in Richtung Badezimmer, dann tauche ich ab in die Dunkelheit der Bewusstlosigkeit.
Durch die ungewohnten Geräusche wird mein Liebster jäh aus dem Schlaf gerissen und findet mich am Boden. Ich nehme bruchstückweise seine verzweifelten Rufe war. Mit seiner Hilfe rapple ich mich auf und setze den Weg ins Badezimmer fort. Nach ein paar Schritten übergebe ich mich. Jetzt tauche ich erneut in die Dunkelheit ab. Ich falle gegen die Wohnzimmerwand, reisse ein Bild mit und lande unsanft auf dem Boden. Ich bleibe liegen.
Mein Liebster schleppt mich ins Badezimmer. Ein wenig später sitze ich gedankenverloren auf dem Klo. Mein Darm und Magen entleeren sich gleichzeitig. Schliesslich sinke ich erschöpft auf den gefliesten Boden und tauche wieder ab in die Dunkelheit. Später komme ich schlotternd und in Seitenlage unter der wärmenden Nachmittagsdecke wieder zu mir. Ich bleibe eine Weile liegen. Mit Hilfe meines Liebsten nehme ich dann eine warme Dusche und werde ins Bett zurückgebracht. Mein Mann beseitigt hörbar verzweifelt die Spuren meiner Odyssee...

Am Morgen nehme ich Kontakt mit meinem Careteam in der Maternité auf. Mit dem Taxi fahren mein Liebster und ich am Nachmittag dann ins Ambulatorium. Ich werde liebevoll empfangen. Sofort wird eine Infusion gesetzt. Die anfängliche Befürchtung meiner Onkologin, es könnte sich bei den Symptomen der Bewusstlosigkeit um Anzeichen auf Hirnmetastasen handeln, zerschlägt sich glücklicherweise nach genaueren Untersuchungen.
Als ich erfahre, dass es sich bei meinem Zusammenbruch um die Folgen einer Medikamentenvergiftung handelt, umklammere ich vor Erleichterung ganz fest die Hand meines Mannes. Die folgende Nacht verbringe ich dann gut behütet in einem Spitalbett auf der Station.
Meine derzeitigen Medikamente werden bis auf weiteres abgesetzt.

Noch immer fühle ich mich geschwächt. Ich erinnere mich nur bruchstückhaft an meinen Zusammenbruch. Der Vorfall hinterlässt bei uns beiden das schmerzliche Gefühl, dass wir einen ersten Vorgeschmack auf weitere unliebsame Intermezzi im Verlauf meiner Erkrankung erhielten!
Dankbar nehme ich das Angebot meiner Mutter an, uns im Haushalt ein wenig zu unterstützen. Sie erledigt für uns erst einmal die anfallende Bügelarbeit.
Während meine BRUSTfreundinnen bereits die ersten Gedanken zu einer neuen gemeinsamen Herausforderung austauschen, widme ich mich nun meiner Regeneration...






Samstag, 4. Dezember 2010

Aussätzig

Diese Woche sitze ich mit vielen werdenden Müttern und einigen Begleitvätern im Wartezimmer der Maternité, das werdende Leben wölbt sich mir kugelförmig entgegen.
Nach der Besprechung richte ich mich mit meinem fliegenden Teppich im weihnachtlich geschmückten Ambulatorium ein. Der Termin für das bevorstehende CT und den Besprechungstermin einige Tage später steht fest! Doch zuerst erhalte ich meine Infusion mit Herceptin und meine letzte Chemotherapie mit Navelbine.

Unvorhergesehen verzögert sich die Abgabe meiner Infusionen bis in den späten Nachmittag. Das stört mich nicht weiter, denn wie immer habe ich ein Buch dabei. Als die letzten Tropfen des Herceptins kurz vor fünf durch das Schläuchlein träufeln betätige ich die Klingel. Einmal, zweimal...
Eine in weiss gekleidete Pflegefachfperson steht - hochschwanger - in mindestens zwei Metern Entfernung vor mir und fragt, weshalb ich geläutet hätte. Ich bitte sie, mir die Pflegefachfrau B. herbei zu rufen, damit sie mir Chemotherapie anhängen könne. Doch sie kann sie nicht finden.
Ich bitte sie höflich, ob sie nicht wenigstens nachsehen könnte, ob die Salzlösung noch genügend tropft. Mit einer ablehnenden Geste wirft sie die Arme in die Höhe. Leicht hysterisch gibt sie mir, immer noch mit Sicherheitsabstand, zu verstehen, dass sie hier aber auch rein gar nichts antaste und verändere, schliesslich sei sie Hebamme, zudem hochschwanger und wisse was Chemotherapie bedeute. Dabei wolle sie mir nicht zu nahe treten...
Hat sie aber mit voller Wucht! Ich bin nicht ansteckend, aussätzig und leprös. Und mein Infusionsständer ist auch keine Sprinkleranlage, die Zytostatika versprüht!
Schliesslich kriege ich doch noch meine Navelbine-Infusion und werde von den Pflegefachfrauen getröstet. Für heute habe ich genug von Frauen mit Bäuchen voll prallen Lebens und flüchte in die Nacht!






Sonntag, 31. Oktober 2010

Saúde, salud und alles Gute!

Nach NYC wurde mir erstmals von der neuen Onkologin Frau S. die Verordnungen für meine Chemotherapie und HER2 Abgabe ausgestellt.
Zusammen mit Dr. P. betreut sie die Sprechstunde im Ambulatorium. Frau S. ist mein vierter onkologischer Fixstern in Folge seit Beginn meiner Behandlung, während mich Frau Dr. P alternierend nun bald vier Jahren begleitet.

Fixsterne kommen, Fixsterne gehen, auch an das muss man sich als Patientin eines Grossbetriebes gewöhnen. Umso dankbarer bin ich, wenn einer dieser verlässlichen und kompetenten Ärzte-und-Pflege-Fixsterne über längere Zeit bleibt und im Onkologischen Ambulatorium regelmässig wiederkehrt!

Mit keinem der wechselnden Onkologinnen und Onkologen bin ich bezüglich meiner Erkrankung kommunikativ und behandlungsmässig gestrauchelt. Mein bisheriges Verhältnis zu ihnen blieb glücklicherweise ungetrübt. Die eine oder andere Therapieform fand sich immer, um das Fortschreiten meiner Krankheit hemmen zu können. Und ich musste mir auch noch keine hoffnungslose medizinische Sackgassemitteilungen anhören!

Manchmal wandern sie ab um sich weiterzubilden oder sich beruflich zu verbessern oder weil ihnen - zu Recht - von der Privatwirtschaft ein attraktiveres Angebot unterbreitet wird. Ich gönne es ihnen von Herzen und zu meinem Leidwesen!

Während ich im Ambulatorium ausnahmsweise als einzige Patientin mit Herceptin und Navelbine versorgt werde, wird meine ehemalige Onkologin H. mit einem kleinen Umtrunk von ihren KollegInnen aus dem Ambulatorium verabschiedet. Die Stimmung ist gut und so werde ich von den beiden diensthabenden Pflegefachfrauen nebst meinem Chemiecocktail auch noch mit Knabbereien und einem Glas Orangensaft verwöhnt! An diesen Service könnte man sich als Patientin leicht gewöhnen.

Von Dr. H. habe ich mich bereits vor meinen NYC-Ferien verabschieden müssen. Sie begibt sich erst mal auf eine längere Reise und wird danach an einem anderen Ort PatientInnen begleiten. Mit einem Schluck Orangensaft trinke ich auf ihr Wohl. Saúde, salud und alles Gute!






Sonntag, 22. August 2010

Rosafarbene Catharanthe

Um Genaues über die Wirkstoffe meiner neuen Chemotherapie zu erfahren habe ich im Web über das Medikament nachgeforscht. Ich möchte verstehen, was da unter dem Namen Navelbine® in meinen Körper gelangt und was es bewirken soll.

Navelbine® (auch bekannt Vinorelbin) ist recht einzigartig unter den Chemotherapeutika. Die meisten Chemotherapeutika sind völlig synthetisch, hingegen ist Navelbine eine semi-synthetische Droge, die von einer blühenden Pflanze als Immergrün bekannt extrahiert wird.In der Pflanze Catharanthus roseus, synonym Vinca rosea — Rosafarbene Catharanthe auch Madagaskar Immergrün, wurden über 70 Alkaloide entdeckt, die eine biologische Wirkung besitzen und von medizinischem Interesse sind.
Das Hauptalkaloid in Catharanthus roseus ist Vindolin aus der Wurzel. Bedeutender sind jedoch Vinblastin und Vincristin. Diese beiden Alkaloide werden als Zytostatika in der Chemotherapie eingesetzt. Was sagt uns Wikipedia: diese Pflanze hat es in sich...
Navelbine® kann die Ausbreitung von Krebs verlangsamen und die vorhandenen Krebszellen abtöten und treibt diese in einen "zellulären Selbstmord"! Die Nebenwirkungen dieser Chemo-therapie sollen laut meiner Onkologin verhältnismässig gering sein.
Aber was heisst das schon! Nach den ersten zwei Infusionen kämpfe ich wieder gegen die Müdigkeit, Schmerzen im Rücken, ein leichtes Unwohlsein, und erstmals während einer Chemo gegen unangenehme rosafarbene Pusteln auf meiner Zunge!
Die semi-synthetische Droge mit ihren Nebenwirkungen bringt meinen bisherigen Lebensrhythmus ganz schön durcheinander und ich habe Mühe mich wieder an die neue Situation zu gewöhnen. Aber ich werde mich schon daran gewöhnen...

So mobilisiere ich wieder einmal meine positiven Kräfte: Ich mag rosafarbene Blumen und wenn sie wie die Rosafarbene Catharanthe über heilende Kräfte verfügen, umso besser!
Ich hoffe sehnlichst, dass durch die neue Chemotherapie meine Zellen den ultimativen Massenselbstmord begehen und meine unliebsamen Metastasen durch das Killerinverno eliminiert werden können... 

Illustration aus www.meinbrustkrebs.net / Therapien / Seite 19-20






Sonntag, 15. August 2010

Schon wieder!

Auf dem Nachhauseweg vom Spital lese ich in einer Abendzeitung eine Meldung über eine Krebsschwindlerin, die mit rasierten Augenbrauen, Glatze und traurigem Blick so tat, als wäre sie an Krebs erkrankt und sich auf diese Weise fünftausend Franken verdiente oder vielmehr erschwindelte! Die Frau wurde inzwischen in eine Klinik eingeliefert, da sie an einer Persönlichkeitsstörung leide...

Ich kann mit Sicherheit sagen, dass ich weder an keiner Persönlichkeitsstörung leide noch eine Schwindlerin bin, die mit ihrer Krankheit Geld verdient.
Bei mir ist der Krebs echt und erneut zu einer Bedrohung geworden!
Ich bin wieder da angekommen, wo ich im Spätsommer vor einem Jahr stehen geblieben war. Ich trete sozusagen vor Ort. Die Untersuchungswerte des aktuellen CTs sind nicht viel anders als die Resultate vor einem Jahr: unerfreulich. Schon wieder haben sich die Metastasen auf meinen Knochen ausgebreitet und der kleine Leberfleck von 8mm Grösse - laut Untersuchungsbericht eine mögliche Metastase - strahlt wieder genauso vor sich hin...

Dieses Mal wird mir eine Chemotherapie mit dem wohlklingenden Namen Navelbine® verabreicht (der Name erinnert mich natürlich an Bienen). Meine Haare werden mir nicht ausfallen, so dass rein äusserlich keine grossen sichtbaren Spuren erkennbar sein werden.
Ein weiteres Mal beginnt der medikamentöse Krieg gegen meine Metas, um diese unter Kontrolle zu kriegen und möglichst viele Krebszellen zu zerstören.






Sonntag, 1. August 2010

Schmerzegal

Nach der Fahrt durch die Röhre ist kein Weisskittel vor Ort, der mich mit einer Grobdiagnose aus dem Untergeschoss des Stadtspitals Triemli entlässt. Ein weiteres Mal muss ich mich in Geduld üben, bis ich in zwei Wochen in der Onkologie-Sprechstunde das Ergebnis der CT-Untersuchung erfahren werde. Während dieser zermürbenden Zeit des Wartens sitzt mir meine alte Bekannte, "die Angst", wieder einmal unermüdlich im Nacken. Manchmal kommt sie winzig klein, manchmal überdimensioniert gross daher. Sie haftet wie eine Klette an mir. Durch Anwendung meiner beiden Schmerz-Strategien versuche ich sie mir vom Hals zu schaffen:
Die Sport-Strategie
Ich absolviere, wann immer möglich, meine regelmässigen Lauftrainings. Die sportliche Tätigkeit in der Natur ist Balsam für meine Seele. Dabei wird die Kalziumproduktion angeregt und meine Klapperknochen werden ausreichend mit lebenswichtigen Stoffen versorgt. Zudem schüttet mein Hirn massenhaft Glückshormone aus, welche die Angst vorübergehend im Keime ersticken. Beim Schwimmen tauche ich ab und die Angst geht buchstäblich baden...
Die Fleiss-Strategie
Ich entwickle ungeahnte Energien und bin richtig fleissig. Die Angst ignorierend sitze ich am Arbeitstisch bis mich der Schmerz beinahe vom Stuhl kippen lässt...

In diesem Sinne übe ich mich in diesen Tagen weiterhin in strategischer Geduld...

Ich Fuss voran in der Röhre, 26.07.2010!






Sonntag, 25. Juli 2010

Sommerhopsen

Die guten Resultate meines Juli-Herzechos lassen meinen Puls höher schlagen. Mein Herz schlägt, pocht und pumpt unverändert gut und lässt sich von Herceptin® nicht beirren.

Noch höher schlägt mein Puls, als ich das unerfreuliche Resultat meines aktuellen Tumormarkers erfahre. Seit Januar 2010 freute ich mich darüber, dass sich der TM auf Talfahrt befand und im Mai auf den konfortablen Wert von 150 absank, was auf einen äusserst stabilen Krankheitsverlauf schliessen liess! Nun bewegt er sich jedoch wieder nach oben. Im Sauseschritt hat er sich zu dem Wert vom Januar hinaufbewegt. Erstaunt über diese Entwicklung befinde ich mich nun wieder im Auf und Ab der Gefühle rund um meine Erkrankung...
Haben sich meine Krebszellen inzwischen ganz still und leise eine neue Strategie ausgedacht, um die wirkungsvollen Therapie-massnahmen auszuschalten und sich erneut hemmungslos ausbreiten zu können? Es scheint, dass der Medikamentenwechsel des Aromastasehemmers zum richtigen Zeitpunkt geschehen ist. Ich hoffe sehnlichst, dass das Aromasin® seine Wirkung so entfaltet, dass sich mein TM wieder talwärts bewegt!
Mein medizinisches Betreuungsteam macht sich Gedanken zu meinem derzeitigen Gesundheitszustand. Da mein letztes CT bereits 10 Monate zurückliegt, vereinbaren sie für mich einen Termin für eine CT Untersuchung! Schliesslich sollen meinen Krebszellen nicht durch Unachtsamkeit und versäumte Kontrolle die Möglichkeit erhalten, sich heimlich den Weg in meine Organe ebnen zu können...

So werde ich am kommenden Montag im Untergeschoss des Stadtspital Triemli erneut aus dem Innern meiner Selbst strahlen...






Sonntag, 16. Mai 2010

Weisskittel

Als Patientin gebe ich einiges aus meinem Leben preis. Das beginnt schon damit, dass ich den ÄrztInnen in meinen persönlichen Kleidern gegenüber trete. Sie hingegen im Weisskittel. Für mich ist es nicht unwesentlich, mit wem ich es zu tun habe oder wer mir zum Beispiel eine Nadel steckt.
GynäkologInnen, ChirurgInnen, Pflegefachfrauen sind konsequent von Kopf bis Fuss in weiss uniformiert. Da ist es nicht ganz einfach sich ein Bild zu machen. Ich suche nach Attributen, die mir vielleicht etwas über den Menschen erzählen könnten. Bestenfalls erzählt der Haarschnitt, die Frisur, eine Brillenfassung, ein markantes Schmuckstück, Hosenträger oder Schuhe etwas über den Menschen unter dem Weisskittel.
Die OnkologInnen tragen einen Langarm-Weisskittel über ihrer Kleidung, der meistens offen getragen wird. Das macht die Sache natürlich um einiges einfacher. Trotzdem frage ich mich, ob ich die Weisskittel ausserhalb des Krankenhauses wieder erkennen würde. Oder sie mich umgekehrt als eine ihrer Patientinnen wahrnehmen würden...

Foto: Weisskittel in Japan






Samstag, 1. Mai 2010

Stricken Sie mit!

In der Schweiz lanciert die Krebsliga jeweils im Oktober den InfoMonat Brustkrebs. Unter dem Motto "Gemeinsam gegen Brustkrebs" soll die Kampagne der Krebsliga sensibilisieren und gleichzeitig Wissen über Risiken und Früherkennung von Brustkrebs vermitteln.
Am 1. Oktober 2010 wird auf dem Waisenhausplatz in Bern eine gestrickte Solidaritätsschleife von zwölf Metern Höhe auf eindrückliche Art auf die Thematik Brustkrebs aufmerksam machen.

"Die Schweiz* strickt ein Symbol der Solidarität. Stricken Sie mit!"

Stricken sie ein rosafarbenes Teilstück in der Grösse von 30 x 30 cm und senden Sie Ihr gestricktes Plätzchen bis 21.Juni an die Krebsliga Schweiz.
Also stricke ich an einem rosa Teilstück der Solidarität von 69 Maschen in der Breite und 69 Rippen in der Höhe. Mal Solidarität hin, mal Solidarität her, während sich vor meinem inneren Auge hunderte, ja tausende von rosafarbenen Teilstücken zu einer rosa Schleife, dem Symbol der Solidarität, formieren...

BRUSTfreundInnen lasst die Strickadeln weltweit* klappern!






Sonntag, 28. Februar 2010

Von Zellen und Zimmern

Zellen:
Als ich diese Woche meinen Ärztinnen gegenüber sass, war ich innerlich darauf vorbereitet, dass mein Tumormarker ein weiteres Mal angestiegen sein könnte und ein Überdenken der Therapiemassnahmen in Erwägung gezogen werden müssten...
Obwohl ich mich richtig gut fühle, zeichnete mein TM in den letzten drei Monaten ein anderes Bild und lehrte mich immer wieder das Fürchten: er stieg kontinuierlich.
Umso erleichtert war ich dann auch, als mir "meine" Onkologin Frau H. mit einem Lächeln mitteilte, dass der TM signifikant gesunken sei und mir zu meiner Überzeugung das Datenblatt entgegenstreckte, auf dem schwarz auf weiss geschrieben stand, um wie viele Punkte der TM gesunken war! Die therapeutischen Massnahmen (Femara usw) zeigen nun also doch noch ihre positive Wirkung!
Diese Neuigkeit verschafft mir Raum und Zeit im Auf und Ab der Gefühle rund um meine Erkrankung...

Zimmer:
Seit dieser Woche liegt meine Schwiegermutter mit einem Beinbruch im Stadtspital Triemli. Mein Mann und ich besuchen sie. Im Zimmer mischen sich die Gerüche von Desinfektionsmitteln, Mahlzeiten und ungelehrten Nachttöpfen, es macht einen leicht desolaten und deprimierenden Eindruck. Hier findet die Intimsphäre allein und einzig unter der Bettdecke von 1.0 x 2.0m statt... Drastisch wird mir klar, dass ich meine Krankenhaustage - wenn es soweit ist - nicht in einem Viererzimmer in der allgemeinen Abteilung verbringen möchte!
Glücklicherweise wurde ich bisher in einem Einzel- oder Zweibettzimmer in der sanierten Frauenklinik des Stadtspitals untergebracht, obwohl ich nur allgemein versichert bin. Es ist mir aber bewusst, dass ich nicht immer auf dieses Glück zählen kann! Daher steht mein Entschluss fest, dass ich meinen Krankenversicherungsstatus in eine höhere Klasse ändern lassen werde. Ich werde Privatpatientin...






Sonntag, 21. Februar 2010

Wehwehchen

Seit meinen Chemo- und anderen Therapien heilen kleine Wunden nur sehr langsam. Meine "Schönheit" und "Befindlichkeit" leidet neu unter kleinen Wehwehchen. Wo sind nur meine Abwehrkräfte, die Zellen, die dazu beitragen Wunden zu heilen...

Trotz aufmerksamer Pflege während der Chemotherapie verlor ich die meisten meiner Fussnägel. Erst veränderten sie sich farblich und oder entzündeten sich ganz fürchterlich. Meine Abwehrkräfte konnten dagegen nichts ausrichten. Auch die Ärzte wussten keinen Rat um diesen bekannten und unliebsamen Nebenwirkungen mit einem Mittelchen zu Leibe zu rücken. Abwarten und erdulden — hoffentlich wächst nach der Therapie alles wieder nach, rechtzeitig auf die Sommerschuhsaison.
In meiner linken Nasenhälfte im Nasenvorhof klafft seit mehr als zwei Monaten eine kleine Wunde, die mir Nasenbluten beschert. Immer wieder löst sich die Verkrustung ab und ein kleines rotes Rinnsal bewegt sich in Richtung Oberlippe. Im Winter schnäuzt man sich öfters die Nase, so dass die Wunde immer wieder von neuem aufplatzt...
Mit einer Salbe halte ich mir die Schleimhaut feucht, aber bis jetzt hat diese nicht viel genützt.
Inzwischen habe ich das Gefühl, die Wunde in meinem linken Nasenvorhof sei übergross. Aber ein Blick in den Spiegel genügt um zu sehen, dass es sich dabei nur um eine sehr kleine Wunde handelt.
Aber wer will schon eine blutige Nase - und das unübersehbar mitten im Gesicht! Ist doch wirklich nicht unbedingt ladylike, auszusehen, als gehöre man zu Draculas Horrorkabinett? So erwarte ich sehnsüchtig den Frühling und hoffe, dass bis dann das Nasenbluten eine Episode der Vergangenheit ist!

Nachgestellte Szene






Samstag, 6. Februar 2010

Glücksgabe

Am Infusionsständer baumeln zwei Plastikbehälter. Die NaCl-Lösung in einem Hartplastikbehälter, maschinell etikettiert. Das Herceptin® in einem weichen Plastikbeutel, von Hand beschriftet mit Namen der Patientin und Angabe zur Inhaltsmenge. Die beiden Infusionen sind farblich neutral nur durch ihre Behälter unterscheidbar. Spätestens die Abrechnung der Krankenkasse macht jedoch unmissverständlich klar, dass es sich bei der einen Lösung um eine äusserst kostbare Flüssigkeit handelt...Nachdem ich schon seit drei Jahren diese Kostbarkeit erhalten habe, sind die Nebenwirkungen äusserst gering geworden. Es kommt mir vor, als erhielte ich als Elixier irgend ein stilles Wasser...
So male ich mir beim Betrachten der nacheinander in mein Kreislaufsystem tropfenden Flüssigkeiten kleine Fantasiegespinnste aus:
Was, wenn das kostbare Elixier nichts als reine Kochsalzlösung wäre?
Was, wenn mir von Mal zu Mal an Stelle der kostspieligen 320 ml Flüssigkeit ein Placebo verabreicht würde?
Was, wenn irrtümlicherweise (unter Arbeitsstress oder so) die falsche farblose Flüssigkeit in den vermeintlich richtigen Infusionsbeutel abgefüllt würde?
Ein farbloses Nichts im Dreiwochenrhythmus! Eine Katastrophe...

Ich wünsche mir keine Katastrophen. Ich wünsche, dass viele unterschiedlich farbige Infusionslösungen an den Infusionsständern baumeln - als unverwechselbare Farbtupfer!
Eine meiner ersten Chemotherapien leuchtete camparirot unter einem orangefarbenen, lichtschützenden Plastikmantel hervor. Ich war beeindruckt und überzeugt, dass dieser "rote Cocktail" meinen Krebszellen erfolgreich das Fürchten lernen würde. Die Farbe unterstrich in ihrer Intensität die "Giftigkeit" des Medikamentes. Es war die einzige Chemotherapie, die im Unterschied zu Anderen von unverwechselbarer roter Farbe war. Psychologie und Farbe!

Meine Empfehlung an die Herren von Roche und Novartis: Zaubern sie Farbe in den grauen Patientenalltag! Entwickeln sie Farbkonzepte für ihre kostbaren, unverwechselbaren, intravenösen Flüssigkeiten! Bei den exklusiven Preisen dürfte ein bisschen Farbe doch drinliegen...






Sonntag, 31. Januar 2010

BRUSTfreundinnen

Schon sind wieder drei Wochen seit meiner letzten Glücksgabe vergangen und die nächste steht mir erneut bevor. Die Zeit zwischen den Abgaben vergeht schneller als mir lieb ist. Ich nutze sie unter der wetterbedingten Nebeldecke mit Joggen im tief verschneitem Umland von Zürich. Manchmal suche ich zusammen mit meinem Liebsten nach der Sonne über der Nebeldecke. Viele schöne Momente verbringe ich im Atelier am Arbeiten - mit den nötigen Ruhephasen dazwischen. Und immer wieder finde ich Zeit, mich mit FreundInnen zu treffen.
Wir treffen uns im nahegelegenen Piazza, im Gasthaus zum Glück, zu Hause bei einer Freundin oder im World Wide Web!
In der facebook-Gruppe "Rosa Schleife — Brustkrebs hat ein junges Gesicht" (Motto: Trotze, so bleibt dir der Sieg, Friederich Hebel), tauschen Frauen sich gegenseitig aus.
Es sind Betroffene zwischen zwanzig bis vierzig und mehr Jahren. Taucht ein Neumitglied mit seinem Krebskummer auf der Plattform auf, reagieren andere Mitglieder mit aufmunternden Worten und viel Lebensmut. Blubb, Blubb fügt sich so Dialogsprechblase zu Dialogsprechblase aneinander... Erfrischend und ohne Umschweife werden Tipps und Erfahrungen ausgetauscht.
Zwar liege ich weit über dem Durchschnittsalter der Userinnen, einige der Frauen zähle ich inzwischen dennoch zu meinen aufmerksamen Blogleserinnnen.
Das freut mich sehr!
An dieser Stelle ein liebes Hallo und herzliches Dankeschön an euch Frauen von der Rosa Schleife!
 
Pink Ribbon, Japan 2009






Sonntag, 17. Januar 2010

Verfallsdatum

Ein Jogurt hat es.
Die Konfitüre hat es.
Die Milch hat es.
Alle Lebensmittel haben es, selbst Medikamente haben es — das Herstellungs- und das Verfallsdatum! Auch wir haben ein "Verfallsdatum". Natürlich ist es nicht sichtbar auf die Hautober-fläche unseres Körpers eingeprägt. Es ist uns aber bewusst, dass unser Leben irgend einmal zu Ende gehen wird. Denn wir sind nicht unsterblich!
Seit dem Befund meiner Krebserkrankung vom 18. Januar 2007 ist mir mein eigenes "Verfallsdatum" unmissverständlich näher ins Bewusstsein gerückt worden. Bei jedem Jahrestag rücke ich meinem Verfallsdatum ein Stück näher, was mich einerseits sehr traurig macht, doch andererseits gewinne ich auch ein weiteres Lebensjahr dazu. Das macht mich wiederum sehr glücklich und stolz, da ich dem Krebs wieder ein Jahr abgetrotzt habe!

Wäre ich ein Jogurt, würde mein momentaner Lebensabschnitt zwischen "Verkaufen bis X" und "Verbrauchen bis Y" liegen.






Sonntag, 27. Dezember 2009

Xmas-Dankeschön

Während der Weihnachtszeit und dem bevorstehenden Jahreswechsel erinnere ich mich daran, wie ich an Weihnachten 2006 dem geröteten Fleck auf meiner linken Brust die nötige Aufmerksamkeit schenkte. Er entpuppte sich schliesslich Anfang 2007 als BRUSTkrebs. (Blog: "Vor zwei Jahren") Heute sind seit meiner Erkrankung bereits drei Jahre vergangen. Ein Leben mit ups and downs. Ich habe inzwischen mit und (oder trotz) Krankheit vieles erlebt. Mein Leitmotiv "Träume leben und nicht aufschieben" konnten mein Mann und ich u.a. in einer Reise nach Japan verwirklichen. Das macht mich stolz und glücklich!

Nicht minder stolz und glücklich bin ich darüber, meinen Liebsten an meiner Seite zu haben, der mich in vieler meiner Bestrebungen und Unternehmungen tatkräftig unterstützt und bekräftigt.
Und was täte ich ohne meine FreundInnen und BRUST-freundinnen? Sie sind für mich von unschätzbaren Wert und beflügeln mich immer wieder von Neuem, sei es in gemeinsamen Gesprächen oder Unternehmungen. "Meine" Ärztinnen und Pflegefachfrauen geben mir den nötigen medizinischen Halt.
Alle verdienen ein Xmas-Dankeschön!

Ich hoffe, dass ich mit meiner Willenskraft und der Unterstützung all jener, die treu an meiner Seite stehen, noch lange mit Krebs eine wunderbare Zukunft haben werde.
 
Die Zukunft in der Nudelsuppe lesen, Japan 2009
Foto: Beat Zgraggen







Sonntag, 6. Dezember 2009

Wie heisst denn du?

Diese Woche halte ich eine kleine Packung des Medikamentes Femara® Letrozol (Aromatasehemmer) in den Händen, die ich äusserst genau studiere. (Wobei ich erwähnen möchte, dass ich den Beipackzettel, wegen der Nebenwirkungen vorerst bewusst ignoriere. Es geht mal nur um Äusseres!)
Nun, die Verpackung von Femara® Letrozol ist: pink, rosa, weiss, aubergine. Optisch und farblich also eindeutig weiblich kodiert, für meinen Geschmack aber eher altbacken.
Genau so altbacken kommt der Schriftzug im Retrodesign der Fünfzigerjahre daher: Poesiealbum-Ästhetik lässt grüssen.
Mit der im Schriftzug integrierten rosa "Pink Ribbon"-Schleife ist zumindest zweifellos klar, dass die Zielgruppe der Brustkrebspatienten gemeint ist. Das "Pink Ribbon" ist aber mehr als "nur" eine rosa Schleife. Es ist das internationale Zeichen der Solidarität mit Brustkrebspatientinnen und Ausdruck der Hoffnung auf Heilung. Dieser Symbolkraft bedienen sich nun auch die Werbestrategen der Herstellerfirma Novartis, indem sie das Anfangs-f als rosa Schleife gestalten. Hoffnung mit Femara® Letrozol!

Betrachte ich das Wort "Femara", erkenne ich unschwer die Abkürzung Fem = feminin, weiblich. Aber was hat es mit dem zweiten Wortteil "ara" auf sich?
Ist "ara" eine neues Kürzel für Aromatasehemmer? Oder ein Kürzel für einen bestimmten Wirkstoff? Vielleicht gar ein Hinweis für auf die Farbe der Filmtabletten? Gelbbrustara, der Papagei mit der gelben Brust, denn gelb sind auch die Tabletten...
Nein, ich werde nicht vollumfänglich schlau aus dem Namen Femara®. Aber trotzdem klingt er weiblich (die Endung a)!

Jetzt aber doch zu den Nebenwirkung: Weil es bei der Einnahme von Femara® oft zu Gelenkschmerzen kommen kann, haben mir meine Ärztinnen vorgeschlagen mit der Therapie erst in einer Woche zu beginnen. Nachdem ich den Silvesterlauf in Zürich gelaufen bin - also ohne "Nichtsteroidaler Aromatasehemmer".






Sonntag, 29. November 2009

Forschen im Internetwald

Von einer über sechs Monate andauernden Chemotherapie wurde mir am Montag die letzte Taxol-Weekly verabreicht. Schon wieder habe ich einen Meilenstein gut hinter mich gebracht. Ich freue mich darüber und blicke zuversichtlich in die Zukunft. Frau Dr. H., "meine" Onkologin, erläuterte mir ein weiteres Mal, wie die Behandlung meiner Krankheit bis auf weiteres und in der nahen Zukunft aussehen könnte. Ich bat sie mir die Namen der genannten Medikamente, sowie deren Kombinationsmöglichkeiten auf einen Zettel aufzuschreiben, zu Hause würde ich dann in aller Ruhe gerne nachlesen, was diese Medikamente gemäss Hersteller bewirken können.
So forschte ich während der letzten Woche im Internet über wohlklingende Medikamentennamen wie Femara® oder Arimidex® (Aromatasehemmer), Tyverb® (Lapatinib) und Xeloda® (Capecitabin) nach.
Diesen Medikamenten ist eines gemein: sie sind oral einzunehmen. Das ist erfreulich, denn das heisst für mich weniger Krankenhausbesuche und somit mehr Unabhängigkeit im Alltag mit Krebs! Nebenwirkungen? Die sind wie immer bei Medikamentenbeschreibungen ziemlich beängstigend, weil jede nur erdenklich, auftretende Nebenwirkung aufgelistet wird.

Deshalb vielleicht träumte mir während dieser Woche, dass ich meine Haare wie ein Toupet vom Kopf ziehen konnte...Normaler Schnupfen, Japan 2009


 


 

Sonntag, 4. Oktober 2009

Nimotsu*

Die kleinen Berge von Unerledigtem sind nun abgetragen. Die Reiseutensilien sind in unserem Gepäck verstaut. Wir reisen im XS Format: je ein kleines Handgepäck und je ein kleines Gepäckstück zum Aufgeben. Eigentlich könnte unsere Reise bereits heute schon beginnen.
In meinem Atelier gibt es neuen Freiraum: leere Tischflächen, die von unseren beiden Katzen genüsslich in Beschlag genommen werden. Da und dort (aber immer woanders) erheben sich pelzige, atmende Berge. Selbst der Abfalleimer wird okkupiert. Frei nach dem Motto: Ist die Katze aus dem Haus, tanzen die Mäuse..
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So bleibt uns heute noch viel Zeit, um mit M. zusammen im Piazza am Idaplatz ein letztes Mal einen Latte Macchiato zu schlürfen und in die herbstliche Sonne zu blinzeln.
Unserer Freudin M., die während unserer Abwesenheit zusammen mit unseren Katzen in unserer Wohnung leben wird, schon vorab vielen Dank oder eben auf japanisch arigatô gozaimasu!

Nur ein Berg wäre noch zu erwähnen, der irgendwo ziellos als Sorge in meinem Kopf umherirrt:
Der Buchstabenberg, abgefasst in einem Bericht mit Sichtweisen und Deutungen des CTs und des Röntgens von letzter Woche. Dieser Bericht spricht teilweise eine andere Sprache als der "unspezifische" sinkende Tumormarker! So trage ich den Bericht huckepack mit mir herum und halte mich aber an den guten Werten des Tumor Markers fest und hoffe, dass die in Japan neu gewonnenen Eindrücke "meinen Berg" vorübergehend im Dunstkreis von Zeit und Reisefreude verblassen lässt... Nächstes Mal aus Tokyo!

 
*Gepäck