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Sonntag, 11. März 2012

König Krebs

Als ich in der Zeitung erstmals einen Hinweis auf das Buch von Siddhartha Mukherjee 'Der König aller Krankheiten Krebs — eine Biographie' gelesen habe, rollte ich mit meinen Augen und dachte im ersten Moment: Schon wieder so ein Krebswälzer!
Doch die Rezensionen weckten schliesslich meine Neugierde. Seit dieser Woche habe ich den Wälzer und er liegt mal da, mal dort: Jede Gelegenheit wird genutzt, um im spannend und packend geschriebenen Buch weiterzulesen...

Der Autor, Arzt und Wissenschaftler S. Mukherjee widmet sich dem "Krebs" aus verschiedenen Perspektiven, aus der eines Zellbiologen, eines Historikers und letztendlich eines Biografen.
"Es ist die Geschichte von Leid, von Forscherdrang, Ideenreichtum und Beharrlichkeit — aber auch von Hochmut, Arroganz und unzähligen Fehleinschätzungen", heisst es treffend im Klappentext.
Das Buch gehört absolut nicht zu den (oft sektiererischen) Ratgebern, die jährlich den Büchermarkt überschwemmen und die meine Augen immer wieder zum Rollen bringen. Es ist wahrlich ein Wälzer — aber einer der guten Sorte!







Samstag, 9. April 2011

Tränen

Am Mittwoch, als ich die Todesanzeige meiner Triemlifreundin P. in den Händen hielt, schien ich für einen Moment die Bodenhaftung unter meinen Füssen zu verlieren. Meine Augen füllten sich mit Tränen. Hinter einem dichten Schleier aus Wut und Trauer wurde mir wieder einmal schmerzlich bewusst, dass auch ich mich auf der Sackgasse "Krebs" auf ein Ende hin bewege, ein Ende, an dem es weder ein Vor- noch Zurück geben wird!

Im Januar dieses Jahres klang P. äusserst zuversichtlich. Sie schrieb mir, wie sie sich mit ihren Ärzten darauf einigen konnte, die Chemotherapie zu beenden. Sie wollte nicht mehr nur immer fremdbestimmt sein. Sie wollte ihre ganze Kraft aufs "gesund werden" verwenden. Um dem Krebs selbstbestimmt entgegen treten zu können, setzte sie sehr hohe Ansprüche an sich. Oder wie sie es formulierte: "Einfach mit Power und tiefster Überzeugung. Thats the way it is."

Sie war stets davon überzeugt, eines Tages den Krebs überwinden zu können und davon geheilt zu werden.
Obwohl mir als Pragmatikerin manche ihrer Gedanken und ihr spiritueller Umgang mit alternativen Heilverfahren fremd blieben, schätzte ich ihre positive Haltung, eines Tages einen Weg aus der Sackgasse "Krebs" finden zu können und ihren ungebrochenen Glauben an sich selbst.
Unser geplantes Frühlingswiedersehen Anfangs März wurde nun zu einem Abschied für immer.
Liebe P., ich werde mich immer an dich erinnern!

Es geht der Frühling.
Vögel weinen, im Auge
der Fische — Tränen

Haiku Matsuo Basô

(siehe blog vom 9. Mai 2010)


 
 


Samstag, 1. Januar 2011

Berührungspunkte

Damals, Ende Mai 2009, schrieb ich in mein schwarzes Wachsbuch:
"Wir haben vieles gemeinsam G. und ich. Da ist einerseits der Krebs, der uns während einer Chemotherapie-Sitzung im Ambulatorium zusammen-geführt hat und anderseits gibt es bei genauerer Betrachtung berufliche und soziale Berührungspunkte, diese Begegnung war doch eigentlich längst überfällig gewesen..."

Obwohl jede von uns in einem anderen Boot mit der Aufschrift Krebs unterwegs war, verband uns noch viel anderes in diesem Leben miteinander. Irgendwann wurde aus dieser Begegnung eine Freundschaft.
G. wusste um ihre schlechte Lebensprognose und stellte sich dieser in einer bewundernswerten offenen Art und Weise.
Sie begann ihr künstlerisches Leben in Form eines Buches zu ordnen und aufzuarbeiten, zusammen mit ihrer Lebensgefährtin C., Gestalterin.

Als ich am 23. Dezember mit C. zuhause an ihrem Tagesbett sass, lag draussen Schnee. Wir verlebten eine schöne, angeregte und unterhaltsame Teestunde. Ich freute mich als ich erfuhr, dass das Buch über Gs Arbeit beinahe beendet sei und sich das Projekt in der Endphase befindet.
Als ich mich von meiner Freundin verabschiedete, bat ich sie scherzhaft, sie solle wie ich nicht den direkten Weg wählen, sondern einen Umweg mit Schlenker machen, um dem Krebs noch einmal ein Schnippchen zu schlagen. Ich ahnte nicht, dass dies ein Abschied für immer sein würde.

Gestern rief mich C. an und eröffnete mir die traurige Nachricht, das G. am 30. Dezember am Nachmittag gestorben sei - eine Woche nach meinem Besuch. Letztendlich geht es immer zu schnell!
Ich bin traurig. Für C., die ihre Lebensgefährtin verloren hat, aber ich empfinde auch tiefe Dankbarkeit, dass ich meine Freundin noch einmal sehen durfte. In meinen Herzen bleiben Erinnerungen an viele gute Momente und Augenblicke dieser kurzen Freundschaft.






Sonntag, 22. August 2010

Christoph Schlingensief

Heute lese ich, dass Christoph Schlingensief, ein von mir sehr geschätzter Regisseur und Künstler, am Samstag seinem Krebsleiden erlegen ist.
Es macht mich traurig und sprachlos — Es geht immer zu schnell!
Noch im Dezember durfte ich ihn anlässlich seiner Inszenierung "Sterben lernen!" im Theater Neumarkt erleben. (Perle vom 13. Dezember 2009)
So werde ich mich an ihn erinnern...

"So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein!" Kiepenheuer & Witsch




Freitag, 28. Mai 2010

Orange

Orange ist eine Farbe die ich besonders mag.
Es gibt einige Logos in orange: Migros, coop, The future's bright, the future's orange und so auch das Logo der schweizerischen Krebsliga.

Die Krebsliga hat eine Solidaritätsaktion «Unterwegs gegen Krebs» für morgen Samstag organisiert. Orange setzt ein Zeichen im Kampf gegen den Krebs! Betroffene, deren Familie, Freunde, ArbeitskollegInnen und Nachbarn werden sich in orangefarben T-Shirts am 29. Mai 2010 aus verschiedenen Kantonshauptstädten in Richtung Bern bewegen und an dem nationalen Solidaritätsevent der Krebsliga teilnehmen.

Mit meiner Freundin M. werde auch ich anreisen - zwar ohne orangefarbenes T-Shirt, dafür mit anhaltenden Gelenkschmerzen - um an der Gründungsplattform der "Patienten Koalition" teilzunehmen. Für die Idee, in der Schweiz eine Patienten Koalition zu gründen, hat das Modell der "European Cancer Patient Coalition" Pate gestanden. Sie ist die Stimme der Krebspatientinnen und -patienten in Europa und vertritt deren Interessen gegenüber Politik, Gesundheitsfachleuten, Medien und Öffentlichkeit.
Es ist zu hoffen, dass durch diese Plattform in Zukunft auch die Patientinnen und Patienten in der Schweiz ihre Erfahrungen auf politischer Ebene direkt einbringen können. Schliesslich sind wir die die ExpertInnen in Sachen Krebserkrankung!






Sonntag, 23. August 2009

Hallo Susanne

Am 26. August jährt sich zum dritten Mal der Todestag meiner Freundin Susanne Paesler, Künstlerin aus Berlin.
Sie starb an den Folgen von Brustkrebs. Nach der erhaltenen Diagnose ihrer Krankheit im Jahre 1998 war es für mich klar, dass ich ihr in dieser Stuation beistehen wollte. Ich machte kurzerhand Ferien in Berlin, um ihr während der schwierigen Zeit, in der sie operiert wurde und in der sie ihre erste Chemotherapie erhielt, an ihrer Seite zu sein.
Damals erfuhr ich, was es heisst an Krebs zu erkranken und wie man dennoch einen erträglichen Umgang mit der Situation dieser bedrohlichen Krankheit finden kann. Ich durfte damals eine Chemotherapie sozusagen hautnah miterleben.
Einmal meinte sie zu mir, sie wüsste nicht, wie sie mir meine Hilfe jemals in irgendeiner Form zurückgeben könnte. Natürlich war das für mich und andere gute Freundinnen an ihrer Seite kein Thema. Es war es uns wert, ihr beistehen zu können.
Susanne hat nicht mehr erfahren, dass ich ein halbes Jahr nach ihrem Tod - neun Jahre nach ihrer ersten Diagnose Brustkrebs – selbst daran erkrankt bin.
Heute weiss ich, dass Susanne mir unbewusst geholfen hat, indem sie mich an ihrem Leben mit Krebs teilhaben liess und mir in zahlreichen Gesprächen vermittelte, was es heisst, an Krebs zu erkranken. Was es heisst, damit weiter leben zu wollen, dagegen anzukämpfen. Dass das Leben durch die Krankheit auch früher als gewünscht zu Ende gehen kann.
Ich denke oft an meine Freundin Susanne, nicht nur wegen der Krankheit. Sie war eine liebenswerter Mensch und eine ausgezeichnete Malerin, deren Werk schliesslich bleibt. Ich bin froh, dass ich ihr in Berlin vor mehr als 10 Jahren begegnet bin und sich daraus eine wunderbare Freundschaft entwickelte.


Hallo Susanne, I miss you! Unsere langen Telefongespräche über das Leben und die Kunst und die vielen gegenseitigen Besuche in Berlin und Zürich, ich vermisse sie.
Und noch etwas:
Endlich, nach langer, langer Zeit, steht deine Website an erster Stelle, wenn man deinen Namen in der Suchmaschine Google eingibt. Das würde dich bestimmt freuen! Herzlichst Irene
 
Susanne Paesler, Frankfurt 2000 / www.susannepaesler.de






Samstag, 22. August 2009

Einen Sommer noch

Im Tages-Anzeiger lese ich heute die traurige Nachricht, dass Eric Baumann, Journalist und Buchautor am Freitag in Zürich für immer eingeschlafen ist.

Nachdem ich selbst an Krebs erkrankte war ich begeisterte Leserin seiner kleinen, feinen Kolumnen im "Das Magazin" des Tages-Anzeiger. Später las ich ebenso begeistert sein Buch „Einen Sommer noch – Mein Leben mit der Diagnose Hirntumor“. Gerne hätte ich ihm und seiner Lebenspartnerin Alice Koenig noch viele weitere Sommer gegönnt! Ich bin davon überzeugt, dass Eric „seine geschenkte Zeit“ genutzt und wunderbar gelebt hat!
 
„Einen Sommer noch“ Lübbe 2008