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Sonntag, 13. März 2011

Aus dem Lot

Letzten Freitag renne ich durch die Strassen der Stadt, über einen Teppich von vielfarbigen Papierkonfetti.
Im Wald angekommen kitzelt mich der üppig riechende Bärlauch in meinen Nasenflügel. Frühlingsdüfte überall! Und ich kann sie riechen.
Bei Kilometer 3.5 kreuzt ein Eichhörnchen meinen Weg und flüchtet vor mir über am Boden liegendes Tannenreisig, bewegt sich vertikal einen Baumstamm entlang in schwindelerregende sichere Höhe zum Ende des Wipfels. In gewohntem Tempo bewege ich mich in horizontaler Richtung weiter Kilometer für Kilometer.

Anderswo bebte zu dieser Zeit die Erde. Ob vertikal oder horizontal, vieles brach auseinander und liess manchem Menschen keine Fluchtmöglichkeit mehr... Wie ich über Facebook erfahre, sind alle unsere Freunde in Japan wohlauf.






Sonntag, 8. November 2009

Somewhere Over the Rainbow

Nach vier Reisewochen bin ich nun wieder zu Hause.
Die Magenverstimmung vom letzten Sonntag ist mehr als hartnäckig. Während der dreizehnstündigen Flugreise von Tokyo nach Zürich verhielt sie sich aber glücklicherweise ruhig. Doch einige Stunden nach meiner Ankunft hielt ich mich schliesslich würgend an der Kloschüssel fest.
Meinem Magen schien das Ende der Reise nicht gut zu bekommen. Auch am Tag nach der Ankunft hielt ich meinen Kopf wieder über die Kloschüssel.
Sind es die Schmerztabletten, die Hormonblocker? Ist es das ungewohnte Essen (dann hätte ich aber schon zu Beginn der Reise...)? Sind es meine lästigen Krebszellen?
Ich bin mir sicher, dass es sich nur um einen Erschöpfungszustand meines Körpers handeln kann und ich mich nach einer Erholungsphase bald wieder besser fühlen werde. Nach vier Wochen habe ich die Grenzen meiner körperlichen Leistungsfähigkeit erreicht. Immer noch freue ich mich trotz Magenverstimmung und vermehrten Rückenschmerzen über jeden Moment dieser wunderbaren Reise, eine Zeit ohne Krankenhaustermin. Keine einzelne Sekunde, Minute, Stunde und keinen Tag möchte ich missen.
Ich hoffe, dass ich alle diese schönen Momente in schlechten Zeiten abrufen kann, um mich daran zu erfreuen und zu stärken.
Nach einer fünfwöchigen Krankenhauspause beginnt nun am Montag für mich wieder der Therapiealltag, der mir hoffentlich wie bisher eine gute Lebensqualität beschert...

An dieser Stelle THANKS für die vielen Willkommens-SMS und Telefonanrufe. Es hat mich sehr gefreut, liebe Freunde!






Sonntag, 1. November 2009

Akku leer

Nach drei Reisewochen fühle ich mich erstmals körperlich erschöpft. Mein Zustand lässt sich so beschreiben: Ich mag weder vorwärts noch rückwärts gehen.
Mein Akku steht auf rot und muss unbedingt neu aufgeladen werden. So verbringe ich unseren letzten Sonntag in Japan mit einer schnupfenden Nase, einem hartnäckigen Husten und einer Magenverstimmung im Bett. Mein Liebster versorgt mich mit mit Fruchtjoghurt, Bananen und Birnen, auf die ich einzig Appetit habe (wenn überhaupt). Ich hoffe, dass sich mein Akku bis morgen wieder aufgeladen hat. Denn dann reisen wir vom regnerischen Osaka weiter nach Tokyo, wo wir vor unserer Rückreise noch drei Tage verbringen werden.
Sayonara, itensai!






Samstag, 24. Oktober 2009

Von Bridgestone to Onsen

Halbzeit in Japan!
Wir fahren in den komfortablen Zügen der JR von einem Ort zum andern. Laufen Kilometer um Kilometer durch Japans Strassen.
Augenfutter! Und manchmal landen wir in einer Stadt "inmitten von nix". Wäre da nicht eine Eingeborene, die sich den vermeintlich verirrten Touristen an einem Fussgängerstreifen annimmt und ihnen kichernd, auf japanisch gestikulierend einige Erdnussdrops schenkt.
Es sind die unscheinbaren kleinen Dinge, an denen wir uns erfreuen. Dieser Abstecher nach Kurume (Herkunft der Bridgeston-Pneus) wird uns bestimmt in Erinnerung bleiben.

Reisen macht müde und so gönnen wir eine Auszeit auf dem Land. Zwei Tage entspannen beim "Onsen", dem Baden in heissen Quellen. Im Sanga Ryokan in Kurokawa Onsen werden wir zuerst neu eingekleidet. Fortan bewegen wir uns in einer Yukata und mit Holz- und Strohschuhen. Wir lassen uns kulinarisch verwöhnen und geniessen die heisse Quelle im eigenen Steinbad.
Obwohl mir in Japan die Menschen sehr umsichtig und diskret begegnen, hält mich meine Einbusigkeit davon ab im Frauenbad zu baden. Ich fühle mich unsicher und gehemmt. Darum bin ich sehr glücklich, dass wir uns den Luxus eines "private bath" gegönnt haben.






Sonntag, 18. Oktober 2009

Lost in Translation

Arigato gozaimasu = vielen Dank:
Es geht mir gut und wenn es mir mal nicht so gut geht bin ich mit meinen kleinen Pillen bestens bedient!
konichiwa = guten Nachmittag:
Die Zeit vergeht im Fluge und nach einer wunderbaren Woche in Kyoto befinden wir uns seit Samstag in Hiroshima.
Konbanwa = guten Abend:
Das sind einige wenige japanische Worte, die sich nach zwei Wochen langsam in meinem Gedächtnis einbrennen. Grösstenteils nehme ich die Sprache aber als unverständliche Silben wahr.
Wir schlagen uns mit Englisch oder Zürichdeutsch bestens durch das japanische Alltagsleben. Hauptsache aber: immer schön lächeln und offen bleiben...
Ein bisschen "Lost in Translation", eben!
Und wenn die Kommunikation mal nicht funktioniert helfen wir uns mit Papier und Bleistift und machen eine kleine Zeichnung. Das funktioniert ausgezeichnet im Land der vielen Zeichen!
Sayonara, itensai!
Auf Wiedersehen, bis später!






Dienstag, 13. Oktober 2009

Tokyo

Viel in der U-Bahn unterwegs. Stille, kein Drängeln beim Einsteigen. Die Köpfe stecken über den Mobildisplays oder es wird mit Vorliebe während der Fahrt geschlafen. Nur die Stimme aus dem Off, die sich bedankt und die nächste Station ankündigt...
So ruhig mir hier die Menschen in gewissen Situationen auch erscheinen der Soundpegel in den Geschäften ist schrill, laut und manchmal werden die Gehörgänge arg strapaziert! Freundlich, schrill und farbig ist das Leben in Tokyo. Obwohl wir kein Japanisch verstehen und viele JapanerInnen, wenn überhaupt, nur wenig Englisch sprechen, begegnen wir uns gegenseitig offenherzig.

Dann kommt Taifun Melor und lässt die Tokyoterinnen farbige Gummistiefel tragen. Transparente und andere Schirme prägen das Stadtbild.
Bevor man ein Geschäft betritt stülpt man dem Schirm eine Plastikhülle über. Manchmal erledigen das auch sonderbare Maschinen für die Schirmbesitzer.
Man kann den Schirm aber auch sorglos im Schirmständer oder in einem Schirmschliessfach deponieren — der Schirm wartet an Ort und Stelle auf seine Besitzerin.

Der Taifun beschert uns eine unfreiwillige Reiseplanänderung. Kamakura ist wegen des Taifuns mit dem Zug nicht errreichbar. Der grosse Buddha von Kamakura, genannt Daibutsu, will uns an diesem Tag einfach nicht empfangen, wie mein Liebster meint...
So sitzen wir mit vielen (schlafenden) JapanerInnen im stehenden Zug. Auf dem Bahnsteig geschäftig umher zirkulierende Zugsbegleiter, aus den Lautsprechern für uns unverständliche wiederkehrende Durchsagen – Stillstand. Wir warten weiter.


Am nächsten Tag strahlender Sonnenschein. Jetzt sind wir bereit für den Daibatsu und die vielen Tempel und Schreine!