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Sonntag, 15. April 2012

On the Road Again

Als ich am Ostermontag zusammen mit Freunden am Uetliberg unterwegs war, keimt in mir ein Wunsch auf, mich wieder joggend durch den Wald bewegen zu können...
Tags darauf lassen mich die guten Wetterbedingungen und mein schwindelfreier Kopf den Joggingwunsch sogleich in die Tat umsetzen!

Motiviert stürze ich mich in meine Laufkleidung und in meine Marathonschuhe und verstaue in meinen Hüftgurt mein Handy, sicherheitshalber...
Dann verlasse ich zu Fuss das Haus in Richtung Bushaltestelle und lasse mich an die Endstation unterhalb des Waldrandes des Uetliberges chauffieren. Nach neun Monaten Auszeit beginne ich mit einem Aufwärmtraining und starte schliesslich unbeobachtet und ganz vorsichtig zu meinem ersten Lauftraining.






Mein Herz lässt meinen Puls in die Höhe schnellen und meine Beinmuskeln scheinen die zahlreichen Trainings längst vergessen zu haben, so dass ich mir immer wieder kleinere Gehpausen gönnen muss...
Am Ende dieses Versuchses überkommt mich dann ein überwältigendes Gefühl der Freude. Nach der Diagnose „Hirnmetastasen“ träumte ich oft und viel davon, wie ich über Stock und Stein rennen würde. Und ich hatte mich bereits damit abgefunden, dass ich diese Wunschträume mit Würde begraben muss.

Doch jetzt ist alles anders gekommen! Es mag am steigenden TM liegen, der mich herausfordert, mich aufs neue meinen Lauffreuden in ausgewogener Dosierung hinzugeben, Muskelkater inklusive!








Mittwoch, 30. November 2011

Neuigkeiten aus dem Laufstall

Meinen letzten Lauf des "ZüriLaufCups" bin ich im Juni gerannt. Kurz darauf wurde meiner Laufsaison durch die auftretenden Metastasen im Hirn jäh ein Ende gesetzt. Schweren Herzens musste ich von einem Tag auf den andern auf die geliebten Lauftrainings und die zukünftigen Veranstaltungen verzichten.
Gut sechs Monate später erreicht mich heute Mittwoch mit der Post die abschliessende Rangliste des ZüriLaufCups 2011. Zu meinem Erstaunen und meiner Freude belege ich in der Kategorie W50 von insgesamt 52 Läuferinnen Rang ZWANZIG - und das mit nur 4 von 12 möglichen Läufen! Das beflügelt mich und hilft mir, gelassen und zuversichtlich die Resultate des CTs von gestern abzuwarten...

Ich bedanke mich bei meinem "Coach": Mein Liebster stand mir bei jedem Wetter zur Seite. Und dann bedanke ich mich natürlich ganz herzlich auch bei meinen treuen "Fans", die mich jeweils an der Strecke angefeuert haben.

Siehe blogs vom 10. Juli 2011 und vom 8. Oktober 2011







Samstag, 8. Oktober 2011

Von Wehmut und Mut

Zuhause sammeln sich die Startnummern von Laufveranstaltungen, an die ich mich zu Jahresbeginn angemeldet habe und die ich gerne noch gelaufen wäre. Sie hängen an meiner Pinnwand.
Wehmut? Ein bisschen Wehmut ist schon dabei, wenn ich sie betrachte. Denn in diesem Jahr hätte ich in meiner Alterskategorie ein gutes Gesamtresultat im Züri Laufcup erzielen können. Doch der Krebs hat mir einmal mehr einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht...
Ein Comeback ist unmöglich. Das Laufen gehört nun endgültig zu meiner Vergangenheit. Ich komme damit erstaunlicherweise sehr gut zurecht, obwohl ich schon fast ein Laufjunkie war...

Momentan habe ich mich soweit erholt, dass ich zu meiner Freude am Freitag mit einer neuen Therapie in Tablettenform (Tyverb® Lapatinib in einer kleinen Dosierung) beginnen konnte. Ein Medikament, das die Blut-Hirn-Schranke passieren kann.
Trotzdem ist mir klar: Meine Kleinhirn-Metastasen sind nicht einfach so verschwunden. Sie sitzen auch nicht untätig herum. Sicherlich entwickeln sie neue Strategien, um sich irgendwann wieder ausbreiten zu können.
Im Moment verhalten sie sich ruhig und werden hoffentlich durch die neue Therapie für einige Zeit in Schach gehalten. Mein Zustand wird sich in Wellen bewegen. Eine fragile Angelegenheit! Aber vorläufig bin ich und mein Care Team erst einmal am Drücker, das macht Mut!






Sonntag, 19. Juni 2011

Mental

Schon während der ganzen Woche freute ich mich darauf, am Samstag in Begleitung zweier Freundinnen am Wylandlauf des Züri-Laufcups teilzunehmen.

Als dann der Samstag kam, waren die Wetterverhältnisse dann aber alles andere als ideal. Es regnete und regnete...
Doch hartnäckig wie ich nun mal bin, hatte sich in meinem Kopf die Teilnahme am Lauf bereits fest eingeschrieben. Mein Entschluss war unumstösslich, selbst bei diesen Wetterverhältnissen an den Start zu gehen!

Meiner momentanen körperlichen Leistung entsprechend startete ich im letzten Drittel des Feldes. Die Strecke führte mich über Feld-, Wiesen- und Waldwege durch eine zauberhafte Landschaft. Nach 1 Stunde und 27 Minuten erreichte ich das Ziel, lautstark angefeuert von meinen Freundinnen.

Ich muss gestehen: nicht mehr viele LäuferInnen liefen nach mir ins Ziel ein. Im Klassement endete mein Lauf da wo er begann: im letzten Drittel des Feldes! Als Läuferin bin ich damit natürlich nicht zufrieden. Als Krebskranke hingegen freue ich mich riesig darüber, dass ich - trotz neuer Chemotherapie - einen Lauf von über 14 Kilometern absolvieren und beenden konnte.

Ich stelle fest, dass meine momentane körperliche Leistungsfähigkeit reduziert, dafür meine mentale Stärke ungebrochen und verlässlich ist. Sie ist es, die mich im Moment durch das medikamentöse Jammertal einer Chemotherapie trägt...






Montag, 16. Mai 2011

Race for the Cure Hamburg

Bis zum Start am Sonntag vom "1. Race for the Cure®" blieb für mich und meine BRUSTfreundin E.B.Z. genügend Zeit um die Stadt Hamburg auf dem Land- und Wasserweg zu erkunden. In den zahlreichen Grünanlagen drehten Jogger ihre Runden. Zwischen HafenCity und Speicherstadt ragten da und dort zwischen grossen Schiffen hohe Schiffskranen aus dem Wasser in den bewölkten Himmel. Es war als könnte man das Meer riechen, dabei lag die Nordsee über 100km von der Stadt entfernt!






Am späten Samstagnachmittag hatten wir uns mit den übrigen Läuferinnen unseres Trotzköpfe-Teams in der Ausstellung des Buchprojektes "Amazonen" verabredet, das von der Berliner Werbefachfrau Ute Melle initiiert wurde und sich dem vermeintlichen Tabuthema widmet: Aktfotografien von Frauen, die alle das Schicksal Brustkrebs teilen. Den Abend liessen wir bei einem gemütlichen und köstlichen Dreigangmenü im Bistro "Le Plat du Jour" ausklingen...






Nach einem frühmorgendlichen Spaziergang auf dem Fischmarkt am Hafen von Hamburg war es endlich soweit. Wir Trotzköpfe bereiteten uns für den Start am am "1. Race for the Cure®" vor! Am Startgelände wehte eine kühle Brise und der Himmel zeigte sich mal bewölkt und mal sonnig.
Wir verbrachten einen wunderbaren Nachmittag in Hamburg. Der Lauf mit über fünftausend Teilnehmern führte uns in drei Runden um die Binnenalster, bis wir glücklich und zufrieden und ohne Zeitmessung nach 5 Kilometern das Ziel erreichten. Wie schon im letzten Jahr in Frankfurt stand das Laufen für eine gute Sache im Vordergrund...






Donnerstag, 12. Mai 2011

Aufbruch

Die Wochenendtasche ist gepackt.
Ich freue mich auf ein Wiedersehen mit meinen
BRUSTfreundinnen, die ich im letzten Jahr in Frankfurt am "11. Race for the Cure" kennengelernt habe. (Siehe auch Blog "Race for the Cure" vom 3. Oktober 2010) Damals hatten wir uns vorgenommen, im Jahr 2011 gemeinsam am "1. Race for the Cure®" in Hamburg zu starten.
Dieses Wochenende ist es wieder soweit!

 

 

 

Sonntag, 1. Mai 2011

Haut, Muskeln und Knochen

Mein Liebster meinte neulich ich sei nur noch Haut, Muskeln und Knochen! Damit hat er nicht ganz unrecht, denn seit ich unter Appetitlosigkeit leide habe ich unfreiwillig einige Pfunde verloren. Der Zeiger der Waage pendelt inzwischen unter der 50 kg Marke hin und her.

Rückblickend hat für mich als Läuferin diese ungewollte Gewichtsreduktion natürlich auch Vorteile gebracht! So hatte ich am diesjährigen Zürich Marathon mehr als fünf Kilogramm weniger auf den Knochen, die ich über die Distanz von 42195m mittragen musste. Meine Kniegelenke waren mir bestimmt dankbar dafür. Nebst meiner guten Trainingsvorbereitung wirkte sich dieser Umstand bestimmt auch auf meine erreichte Schlusszeit aus, die beste jedenfalls für mich. Drei Ranglistenplätze konnte ich gegenüber dem letzten Jahr gut machen!

Aber wie immer hat jede Medaille ihre Kehrseite. Meine verlorenen Pfunde schmälern die benötigten Reserven, von denen ich in schlechten Zeiten zehren muss, wenn mir der Krebs das Leben wieder einmal so richtig vermiesen sollte...
Also werde ich zumindest versuchen nicht noch mehr Pfunde zu verlieren (trotz des Rennens) und durch artiges essen wieder ein wenig mehr Speck auf die Rippen zu kriegen!







Sonntag, 17. April 2011

Zum Dritten

Im Vorfeld des Marathons erreichten mich viele aufmunternde und motivierende Zeichen via Mail, Postkarten und SMS meiner mitfiebernden FreundInnen. Meine Beine konnten es deshalb kaum erwarten endlich loszurennen...

Aller guten Dinge sind drei! So startete ich etwa drei Monate nach Abschluss meiner dritten Chemotherapie mit drei Schmerztabletten ausgerüstet an meinem dritten Zürich Marathon 2011.
4 Stunden 11 Minuten 34 Sekunden und 3 Zehntelsekunden später erreichte ich - 3 Schmerztabletten intus gegen meine rebellierende Knochen-metastasen - das Ziel und landete in meiner Kategorie auf Rang 32. Die Ausschüttung von Glückshormonen war beachtlich und hält noch immer an! Die Drei scheint tatsächlich heute meine Glückszahl, ist doch die Quersumme aller relevanten Daten eine Dreierzahl...

Mit meinen "Fans", die mich an der Strecke und auf den letzten hundert Metern vor dem Ziel unterstützt hatten, feierten wir den gelungenen Marathonlauf. Bei einem gemeinsamen Spaghettiessen und Meringues mit Schlagrahm füllten sich die Kohlehydratspeicher wieder auf! Herzlichen Dank an den Coach und Koch.
Ein herzliches Dankeschön auch an alle, die ihr mich vor und am Marathon unterstützt habt!
Eure schnellste Marathon-Krebsläuferin aller Zeiten
Irene


 
 


Sonntag, 3. April 2011

Platz 13

Ich bin eine zuverlässige Patientin, wenn es darum geht täglich die vorgeschriebenen Medikamente einzunehmen. Aber vor einem Lauf verzichte ich nun bewusst darauf, bzw. ich "vergesse" die kleinen fiesen Pillen einzunehmen. Ich geniesse den medikamentenlosen Zustand und erspare mir so auch die unliebsamen Nebenwirkungen am Lauftag. Diese Auszeit wirkt sich positiv auf meine Psyche aus. Durch die ein- oder zweimalig verweigerte Einnahme kann die Wirkung des Aromatasehemmers wohl kaum beeinträchtigt werden.

Gestern lief ich dann auch ohne Übelkeit am Zumikerlauf mit, in meiner Gesässtasche eine Schmerztablette für alle Fälle. Während des ganzen Laufes von 11.2 Kilometern trugen mich meine Beine und Knochen über Feld- und Waldwege bei frühlingshaften Temperaturen ins Ziel. Die Schmerztablette blieb unangetastet.
Vor noch nicht einem Jahr (siehe blog vom 12. Juni 2010) hätte ich viel darum gegeben, eine Schmerztablette dabei zu haben, denn damals musste ich den Lauf unter quälenden Schmerzen beenden...

Nun aber rannte ich locker und leicht und mit einer respektablen Zeit durchs Ziel. Ich klassifizierte mich in meiner Kategorie im Mittelfeld und landete auf Platz 13!
Ist das nun eine Unglücks- oder Glückszahl, ein schlechtes oder gutes Omen im Hinblick auf den bevorstehenden Marathon in zwei Wochen in Zürich?






Sonntag, 13. März 2011

Aus dem Lot

Letzten Freitag renne ich durch die Strassen der Stadt, über einen Teppich von vielfarbigen Papierkonfetti.
Im Wald angekommen kitzelt mich der üppig riechende Bärlauch in meinen Nasenflügel. Frühlingsdüfte überall! Und ich kann sie riechen.
Bei Kilometer 3.5 kreuzt ein Eichhörnchen meinen Weg und flüchtet vor mir über am Boden liegendes Tannenreisig, bewegt sich vertikal einen Baumstamm entlang in schwindelerregende sichere Höhe zum Ende des Wipfels. In gewohntem Tempo bewege ich mich in horizontaler Richtung weiter Kilometer für Kilometer.

Anderswo bebte zu dieser Zeit die Erde. Ob vertikal oder horizontal, vieles brach auseinander und liess manchem Menschen keine Fluchtmöglichkeit mehr... Wie ich über Facebook erfahre, sind alle unsere Freunde in Japan wohlauf.






Sonntag, 16. Januar 2011

Lauf der Dinge

Heute absolvierte ich ein erstes, langes Lauftraining für den bevorstehenden Marathon im April.
Obwohl ich am Morgen keinen Appetit hatte, nahm ich ein kleines vitaminreiches Frühstück in flüssiger Form ein, dazu die obligate Schmerztablette gegen demotivierende Rückenschmerzen.
Ich öffnete meine Haustüre als ein Tross von "CityRunning Weekend" mit beachtlichem Tempo und freundlich grüssend an mir vorbei huschte. Ein gutes Zeichen...
Hoch motiviert startete ich durch das nebelverhangene Zürich in Richtung Allmend Brunau, wo ich gewohnheitsmässig einem Rotmilan, einem Bussard, einem Fischreiher und vielen emsigen Krähen begegnete.
Als ich über die Stadtgrenze hinaus dem Gewässer Sihl entlang joggte, brach bereits das erste Sonnenlicht durch die Nebeldecke. Nach mehr als einer Stunde strahlte mir die Sonne zaghaft wärmend ins Gesicht und nach einer weiteren Stunde war der Himmel blau und in den Bäumen zwitscherten die Vögel um die Wette, als wäre es schon Frühling. Was für ein Naturspektakel, was für ein schöner Morgen!
Ich war gut unterwegs und konnte das vorgesehene Tempo halten, so dass ich nach etwas mehr als zwei Stunden und 22 Kilometern in den Beinen beflügelt und glücklich mein heutiges Training beendete.
Bis zum Marathon werde ich noch unzählige kurze und lange Läufe absolvieren müssen und hoffe, dass der Krebs kein Spielverderber sein wird.






Sonntag, 28. November 2010

Strahlen 2

In einer der letzten Sprechstunden sprach meine Onkologin von der Option, dass meine Chemotherapie Navelbine nach sechs Zyklen noch nicht zu Ende wäre und ausgedehnt würde, falls sich mein TM weiterhin signifikant in Richtung abwärts bewegen würde!
Doch der letzte TM-Wert zeigte nun, dass er sich bei einem Wert von 220 einzupendeln scheint und somit die Wirksamkeit dieser Chemotherapie ihren Zenit bereits erreicht, wenn nicht schon überschritten hat.

Da die letzte Infusion auf den Freitag vor den Silvesterlauf fallen würde, bitte ich meine Onkologin Frau S. darum, den Chemotermin doch um eine Woche zu verschieben. Sie findet, dass ich nach der neusten TM-Entwicklung sogar darauf verzichten kann. Das kommt mir als Läuferin für einmal sehr gelegen! Dafür lässt sie mich kurz nach dem Silvesterlauf wieder einmal durch die Röhre fahren, bzw. strahlen.


  



Samstag, 23. Oktober 2010

On The Pink Road

Kaum auf dem JFKennedy gelandet, wird mir klar, dass hier während des Pink Ribbon Monats Oktober dem Krebs nur schwer zu entfliehen ist!
Ich bin mehr als beeindruckt: Kaum ein Plakat, ein Alltagsartikel ohne Hinweis und Spende für "The National Breast Cancer Research Foundation". Ein pinkfarbener Müllwagen bekundet seine Solidarität, auf der Windschutzscheibe eines Polizeiwagens klebt eine rosa Schleife, das Danone Yogurth trägt pink. Im Hardwarestore gibt es pinkfarbene badges, pinkfarbenes duct tape, Geschenkbänder mit rosa Schleife und anderer rosa Krimskrams zu kaufen... Think pink, make pink money!






Eine Invasion von rosa Schleifen! Unverhofft entdecke ich während eines Streifzugs durchs Lower East Side ein Plakat in schwarzweiss. Es wirbt für eine Fotoausstellung zum Thema Brustkrebs und zeigt provokativ eine hochschwangere Frau mit beidseitiger Brustamputation, die uns selbstbewusst entgegenblickt. Unter dem Bild: Breast Cancer Is not a Pink Ribbon! Ja, das gefällt mir.






Wir tauchen in die Stadt, die niemals schläft.

Bereits an einem der ersten Tage in NYC absolviere ich ein Lauftraining am Hudson River. Ein Erlebnis, dass mich berührt und zugleich beflügelt!






Nachdem wir uns bei Sonnenschein und Wind auf den Spuren der Beatniks durch Soho bewegten, erkälte ich mich fürchterlich. Mein Liebster hatte sich bereits vor Beginn unserer Reise erkältet. So bin ich jetzt an der Reihe.
Das fehlte uns noch, wir beide krank in New York! Es macht den Eindruck, als wolle mir meine Krankheit, als Spielverderberin, meine Grenzen aufzeigen! Dabei hatte ich sie doch zu Hause gelassen...

So schnell sollte mir dieser Schnupfen mit hartnäckigem Husten die Zeit in New York nicht vergraulen. An den folgenden Tagen finden wir uns immer wieder in einer der zahlreichen Pharmacies, wo wir uns vom grandiosen Medikamentenangebot, bei dem man zum Pillenjunkie werden könnte, die nötige Hilfe erhoffen...






Wir ziehen weiterhin durch die Stadt und lassen uns immer wieder überraschen.






Das XL-Angebot von biologischem Food beeindruckt. In Pipilotti Rists Ausstellung "Heroes of Birth" ziehen unsere Augen gemeinsam mit einer Gruppe von Schafen über das satte Grün. Mit unserem Freund D.W.K. haben wir das Vergnügen an einer Benefizveranstaltung die liebenswerte Patti Smith live zu erleben, sowie den unermüdlichen 91 jährigen Pete Seeger mit Guy Davies!
Eine ungeplante Fahrt in einem Polizeiauto durch New Yorks Strassen wird uns als kurioses Erlebnis in Erinnerung bleiben...






Sonntag, 3. Oktober 2010

Race for the Cure Frankfurt

Gemeinsam starteten wir als Team von laufbegeisterten Brustkrebs-Betroffenen am "11. Race for the Cure®" in Frankfurt mit (Siehe auch Blog "Vier" vom 4. Juli 2010). K. T. hatte über Facebook zur Teilnahme an diesem Anlass aufgerufen und sie bot uns beiden Schweizerinnen ihre grosszügige Gastfreundschaft an.

Am letzten Sonntag vor dem Start des "11. Race for the Cure®" trafen wir uns mit allen übrigen Teamläuferinnen. Wir waren eine kleine, aber feine Gruppe von acht Frauen. Ich freute mich schon lange vor diesem Wochenende auf die BRUSTfreundinnen, die für mich bisher nur über Facebook fassbar waren. Endlich begegneten wir uns, und meine guten Gefühle und Erwartungen wurden mehr als erfüllt. Sieben starke Frauen, jede für sich einzigartig! Das beeindruckt mich noch jetzt.

Zusammen verbrachten wir einen wunderbaren Nachmittag in Frankfurt. Der " Race" mit über Fünftausend Teilnehmern führte uns während 5 Kilometern am Ufer des Mains und an den Häuserzeilen Frankfurts entlang. Glücklich und zufrieden erreichten wir ohne Zeitmessung das Ziel, denn für eine gute Sache zu laufen stand im Vordergrund. Vermutlich war es nicht nur für mich ein ganz spezieller Moment im Ziel einlaufen zu können, denn die Freude über unsere Leistung war unübersehbar in unseren Gesichtern abzulesen...

Nach dem Lauf blieb uns noch Zeit, um im Kaffee Dulce unsere Kohlenhydratspeicher wieder aufzufüllen und zu quatschen. Meine Lachmuskeln litten an Stelle meiner Beinmuskeln noch Tage später unter Muskelkater! Ich hoffe, dass ich in Zukunft noch viele gemeinsame Races mit meinen neuen BRUSTfreundinen laufen kann. Für den Mai 2011 habe ich mir bereits einen Lauftermin als Fernziel vorgemerkt...






Sonntag, 4. Juli 2010

Vier

Ich habe dem Krebs ein weiteres Jahr abgerungen und feierte diese Woche meinen Geburtstag, den vierten mit Krebs!

Einen Tag vor meinem Geburtstag lag ich bei sommerlichen Temperaturen mit meinem fliegenden Teppich ("le Tapis Volant") in der Glücksgabenanstalt am Tropf.
Während die Infusionen langsam über den Porth in mein Blutkreislaufsystem gelangten, holten mich die Erinnerungen an die Vergangenheit ein. Ich erinnerte mich, wie ich mich vor genau einem Jahr auf derselben klarblauen Liege installiert hatte und in eine neue Taxol-Weekly startete...
Glücklicherweise lag ich auf meiner Lieblingsliege am Fenster, durch dessen Öffnung meine Augen und Gedanken (schon so oft) entfliehen konnten.
So liess ich meine Vergangenheit und Krankengeschichte (KG) in der Glücksgabenanstalt zurück, um einem ereignisreichen kommenden Jahr in der Weite einer satten, grünen Wiese am Fusse des Uetliberges entgegen zu sehen...

In der Gegenwart, am Tag meines Geburtstages, wurde ich gefeiert und verwöhnt von meinem Liebsten und meinen FreundInnen. Ich freute mich über die zahlreichen herzlichen Telefon- Karten-mail-Facebook-wünsche...

Auch ich beschenkte mich an diesem Freudentag!
Ich werde am "11. Race for the Cure®" am 26. September 2010 in Frankfurt teilnehmen.
Wie kam es dazu?
K.T. rief uns Betroffene über Facebook auf, ihrem eigens für diesen Lauf gegründeten Rennteam "Ballamännchen" beizutreten und in Frankfurt an den Start zu gehen. Laufbegeisterte Brustkrebs-Betroffene sollten gemeinsam als Team mitlaufen. Warum eigentlich nicht? Die Idee gefiel mir und E.B.Z. - einer weiteren Facebook Bekannten - so gut, dass wir dem Rennteam beigetreten sind. Gemeinsam werden wir nach Frankfurt reisen und dabei die anderen Läuferinnen kennenlernen.

Bis es aber soweit ist, trainiere und pflege ich meine Muskeln, damit sie rechtzeitig bereit sind...






Samstag, 12. Juni 2010

Knacken

Was am letzten Samstag als leichtfüssiger Lauf begann, endete mit einem Knacken, ein sportlicher Alptraum!
Doch von Anfang an...

Ich war optimal vorbereitet und startete bei sommerlichen Temperaturen zum 11.2 km langen Zumikerlauf. Ein schöner Lauf durch eine hügelige Wiesen- und Waldlandschaft. Ich war gut unterwegs, hatte ein schnelles Tempo gefunden. Alles lief rund. Bis Kilometer 7.

Kurz vor dem zweiten Verpflegungspfosten verlangsame ich meine Laufgeschwindigkeit, um mir einen Pappbecher mit Wasser zu schnappen. Aus dem Innern meines Bewegungsapparates ertönt plötzlich ein lautes Knacken, als würde ein dürrer Ast geknickt. Augenblicklich folgt ein stechender Schmerz. Für einen kurzen Augenblick wird mir schwarz vor den Augen. Ich renne sofort weiter. Doch der Schmerz rennt mit. Ich humple. Ich renne. Ich humple. Unter quälenden Schmerzen, zwischen Aufgeben und Adrenalinausschüttung beende ich das letzte Drittel des Laufes.


Zwei Tage später, anlässlich meiner Glücksgabe, schickten mich meine beiden Ärztinnen vorsorglich ins Röntgen. Es hat zwar geknackt, aber glücklicherweise ist der Hüftknochen heil geblieben. Meine überdehnten, gezerrten Muskeln hingegen müssen fleissig gesalbt werden und brauchen viel Ruhe.


Für einmal ist es nicht der Krebs, der mich bedroht und meinen Lebensrhythmus durcheinander bringt, sondern eine Sportverletzung. Schon irgendwie seltsam, dass ich für so eine Lappalie (gemessen am Krebs)
medizinischen Beistand benötige!




Samstag, 17. April 2010

Vorher und Nachher

Seit meiner Einnahme von Aromatasehemmer (femara) erwache ich regelmässig einmal, zweimal, nass geschwitzt und heiss wie ein glühendes Kohlenbrickett. Dann finde ich nur schwer in den sehnlichst herbeigewünschten Schlaf zurück.
Unliebsame Schlafstörungen und Gelenkschmerzen, die mir jeden Morgen die "Langsamkeit des Seins" vor Augen führen, wollte ich mir vor dem Start zum Marathon unbedingt ersparen.

Vor dem Rennen
Nach Absprache mit meinen ÄrztInnen verzichtete ich in den drei Tagen vor dem Start auf die Einnahme des Aromatasehemmers.
Meine femara-Beschwerden hatten vorübergehend Zwangsurlaub.
Ich hatte schon beinahe vergessen wie es sein kann, eine ganze Nacht ohne Unterbruch durchschlafen zu können! Am Sonntagmorgen stieg ich vier Stunden vor dem Start aus den Federn, gut ausgeruht und hoch motiviert. So blieb mir genügend Zeit um meinen Körper für den bevorstehenden Exploit in Schwung zu bringen, bis ich mich mit meinem Coach (= mein Liebster) auf den Weg zum Startgelände des Zürich Marathon machte...

Nach dem Rennen
Im Zieleinlauf erwarten mich (Nr. 1160, Laufklub "Running with Cancer") liebe FreundInnen, die mich auf den letzten Metern ins Ziel anfeuern und fliegen lassen. Die Endorphine sind mir gewiss!
Zuhause feiern wir alle zusammen bei einem grossen Teller Spaghetti, die der Coach während des Marathons für uns vorbereitet hat: Kohlenhydrate für die Läuferin!
Schon beim Zieleinlauf ist mir bewusst, dass meine diesjährige körperliche Verfassung um einiges besser ist wie im vergangenen Jahr. Das zeigt sich auch noch am folgenden Tag. Mein Muskelkater hält sich in Grenzen und die Treppen schaffe ich problemlos.
Sind das die anhaltenden Endorphine? Wohl kaum. Es ist meinem unermüdlichen Training und meiner derzeitigen guten Verfassung zuzuschreiben (trotz und mit meinen Metas).

Jetzt

Wieder Aromatasehemmer: Der Medikamentenalltag ist zurück und mit ihm die unliebsamen Schlafstörungen und Gelenkschmerzen...






Sonntag, 11. April 2010

Running with Cancer

Knapp fünf Monate nach meiner letzten Chemotherapie rannte ich heute den Zürich Marathon in einer Zeit von 4h 22min 58.9sec! Ein Grund zum Feiern! In meiner Kategorie erreichte ich Rang 34. Bin unheimlich stolz!

Am Start!


 




Sonntag, 4. April 2010

Wie lange noch?

Noch dreimal schlafen,
noch zweimal schlafen,
noch einmal schlafen und dann kommt... der Osterhase!
Dieser tröstende Spruch mit aufschiebender Wirkung aus meinen Kindertagen hallt noch heute in meinen Ohren. Ganz zappelig wurde ich jeweils vor solchen Feiertagen und konnte den Tag X kaum erwarten. Vor Ostern blubberten und tanzten an einem Tag die Ostereier in verschiedenen Farbbädern vor sich hin. An einem anderen Tag reihten sich im Backofen kleine Teighasen aneinander und wuchsen während des Backens zu grossen Hasen heran. Doch der Tag X schien immer noch in weiter Ferne zu sein.

Von heute bis zum nächsten Sonntag zähle ich einmal mehr.
Etwas für den Cholesterinspiegel:
Noch einmal Eier tütschen.
Für das mentale Training:
Noch viele Male in Haruki Murakami's "Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede" lesen.
Für das körperliche Training:
Noch dreimal der Sihl entlang joggen.
Gegen die Krebszellen und Metas:
Noch einmal den Port-a-Cath anstechen lassen, am Dienstag.
Noch einmal den neuen Tumormarker erfahren.
und schliesslich noch ganze sieben Mal schlafen.

Dann starte ich (hoffentlich mit einem weiter sinkenden TM, alles andere lässt mich unbeeindruckt...) mit Tausenden von Läuferinnen und Läufer am Zürich Marathon!




Samstag, 20. März 2010

Was ich sehe wenn ich renne!

Immer wieder werde ich gefragt, ob es mir während des Rennens überhaupt möglich sei, meine Umwelt wahrzunehmen oder ob ich mit dem so genannten "Tunnelblick" unterwegs sei.

Glücklicherweise nehme ich während des Trainings die Dinge, die um mich geschehen, immer noch wahr. Gerade jetzt, wenn sich endlich mit den zaghaft steigenden Temperaturen das Frühlingserwachen bemerkbar macht! Ich renne durch die Stadt — Fassade reiht sich an Fassade - bis ich schliesslich aus der Stadt heraus in die Natur renne. Kleine Beobachtungen schreiben sich in meinem visuellen Gedächtnis ein.

Vorgestern bin ich einen kurzen Lauf gerannt und habe versucht, einige dieser Beobachtungen mit der Kamera einzufangen. Eine Schablonensprayerei, ein Graffiti, Vogelbeeren, Krähen die meinen Weg kreuzen, Huflattich, die ersten Frühlingsboten am Wegesrand. Auch das graue Kissen (siehe blog: Psychohygiene vom 01. Februar 2009) baumelt immer noch am selben Baum in luftiger Höhe als wäre es eine Art Sinnbild für mein Leben, das sprichwörtlich an einem goldenen Faden, respektive am Tropf der Infusion hängt und hängt...

PS: Nach einem weiteren Herzecho in der Kardiologie meinte Doktor K., dass sowohl meinem nächsten medikamentösen als auch meinem sportlichen Lauf nichts im Wege stünde. Glücklich pocht mein Herz weiter von Herzecho zu Herzecho und von Marathon zu Marathon!